Übersetzungen - Wirklich bereit für die Olympia?

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Mittwoch, 12. September 2007

Alltag

Jetzt hat die Schule richtig angefangen. Jeden Morgen stehe ich um 6 Uhr auf und bin circa um 7:10 Uhr in der Schule. Vor der ersten Stunde um 7:45 Uhr machen wir nämlich immer Morgengymnastik mit der gesamten Schule und die Klassenlehrerin sagt wichtige Sachen an. Zumindest nehme ich an, dass sie wichtig sind, aber ich verstehe ja nichts. Morgengymnastik ist relativ belustigend. Da steht doch tatsächlich die ganze Schule auf dem Schulhof und „tanzt“ eine Choreographie. Ich mittendrin. Leider kann ich nur die Hälfte davon und so kommt es, dass ich 2 Minuten hilflos mittendrin stehe während alle um mich herumhüpfen, in die Hocke gehen und ich kann mich nicht richtig entscheiden, ob ich deshalb lachen oder mich zu Tode schämen soll. Es ist wohl eine Mischung aus beidem, wenn ich dann versuche die anderen nachzumachen und trotz meiner Lachkrämpfe so wenig wie möglich aufzufallen. Zwecklos. Aber man lernt ja bekanntlich mit der Zeit und so werde ich wohl hoffentlich auch diese beknackte Reihenfolge dieser dämlichen Bewegungen lernen. Die Flagge wird jeden Morgen gehisst, aber nur montags richtig feierlich mit Hymne singen und marschieren.

Dann habe ich fünf Stunden bis zur 70-minütigen Mittagspause um 12:50 Uhr. Es wurde eingeführt, dass die Schüler in ihren Klassen essen und so stehen immer pünktlich 2 Kartons mit roten Tupperdosen, gefüllt mit unserem Mittagessen, vor den Klassenzimmern und warten darauf gegessen zu werden. Wenn ich ehrlich bin, dann würde ich sie am liebsten ewig warten lassen, aber letztendlich entschließe ich mich dann doch immer wieder gegen McDonalds und für das eher minder genießbare Schulessen. Obwohl McDonalds nur 5 Minuten entfernt legt. In den Mittagspausen gehe ich manchmal bummeln, denn wie bereits gesagt liegt die XiangMing High-School direkt in der besten Shopping Gegend. Und H&M mittendrin. Was gibt es Schöneres?

Nach der Mittagspause habe ich dann aber noch mal 3 Stunden und danach sagt die Klassenlehrerin wieder wichtige Sachen an. Manchmal frage ich mich wirklich, ob diese Sachen echt alle wichtig sein können.

Um ungefähr 4 Uhr werde ich dann in die Freiheit entlassen, ungünstigerweise aber auch mitten in die Rush Hour. Die Rückfahrt mit dem Bus dauert also wesentlich länger als die Hinfahrt. Zu Hause angekommen bin ich also meistens völlig fertig und habe keine Lust noch etwas zu unternehmen, meistens gehe ich um neun Uhr ins Bett. Wenn ich doch noch etwas mache, dann ist das eine eher stressige Angelegenheit, denn erstmal zu dem Ort hinzukommen zu dem man will stellt sich als äußerst schwierig heraus. Das U-Bahn-Netz ist katastrophal und die Busse sind, wie bereits erwähnt, sehr langsam. Taxi ist zwar billig, aber das häuft sich auf Dauer auch an und um die Zeit ein Taxi zu bekommen ist wie ein Sechser im Lotto. Aber da meistens alle zur Verabredung zu spät kommen, muss ja keiner warten. Um 10 Uhr muss ich spätestens zu Hause sein. Also hab ich nicht viel Zeit.

Seit dieser Woche bin ich in einer International Class, bestehend aus 3 Schülern. Einer Koreanerin die nicht redet, einem aus Texas und mir natürlich. Ich und der Amerikaner harmonieren eher nicht so gut, milde ausgedrückt. Seit dieser Woche ist also Schluss mit einem Buch am Tag lesen und mal eben die 2 Stunden Schlaf nachholen, die man in der Nacht verpasst hat. Während ich nämlich in der chinesischen Klasse unter den 40 Schülern nicht so sehr aufgefallen bin und die Lehrer sich auch nicht sonderlich dafür interessiert haben, was ich tue, weil sie eben wissen, dass ich kein Wort verstehe, steht man in einer 3-köpfigen Klasse ganz schön unter Beobachtung. Auf der einen Seite bin ich darüber dankbar, da ich ziemlich viel Chinesisch lerne, eben von 8 Uhr morgens bis 4 Uhr nachmittags, auf der anderen Seite wünsch ich mir die dämliche Schule aber wirklich auf den Mond.

Zum Beispiel wenn die vier verschiedenen Chinesisch Lehrerinnen mal wieder den ganzen Tag dasselbe machen, weil sie sich nicht absprechen und noch dazu kein Englisch verstehen. Zählen konnte ich schon bevor ich hierher gekommen bin, genauso wie meine Mitschüler, für die Lehrer allerdings scheint dieses Thema wichtig genug um sich einen ganzen Tag damit auseinanderzusetzen.

Oder heute als ich Musik hatte und unsere Lehrerin so ein absolute hohes chinesisches Volkslied abspielte, die Koreanerin sofort einschlief, der Ami meinte er würde so was nicht singen, er höre nur Heavy Metal und sich stattdessen mit Headbanging beschäftigte. Ich blieb also als Einzige übrig. Da die Lehrerin eine der schüchternen Sorte war, die sich dann nicht traut etwas gegen schlafende oder headbangende Schüler zu sagen und sie mir wirklich Leid tat hab ich mich doch tatsächlich dazu hinreißen lassen mit einer leichten Erkältung eine ganze Stunde lang ein chinesisches Volkslied-Solo hinzulegen. Danach hab ich mich dann dazu entschieden diese vierte Stunde mittwochs lieber lesend in meiner chinesischen Klasse zu verbringen als trällernd in einem Haufen von Verrückten. Die Freiheit habe ich nämlcih was Fächer wie Musik, Sport etc. angeht.

Aber die Härte war es, dass ich heute, nach dem anstrengendesten Schultag meines Lebens noch mit Hausaufgaben, die mich bis um 8 Uhr abends beschäftigen sollten überhäuft wurde. Hab ich mich jemals darüber beschwert meine chinesische Klasse sei mir zu langweilig dann entschuldige ich mich und nehme alles zurück. Sie ist das Paradies. Wenn ich in einem Jahr aufgrund meiner International Class nicht mit perfektem Chinesisch zurückkomme mit dem ich einen Doktortitel verdienen würde, dann verklage ich aber so einige Leute.

Trotzdem gewöhne ich mich so langsam an den Alltag hier. In der Schule ist es angenehmer, denn sie ist relativ klein und fast jeder hat mich jetzt einmal gesehen, als Austauschschülerin erkannt und ich werde morgens nicht mehr ganz so oft mit „Laoshí Hao.“ begrüßt, was soviel bedeutet wie „Guten Tag, Frau Lehrerin.“ Am Montag muss ich mich auch noch beim Fahnenappell auf Chinesisch der ganzen Schule vorstellen aber ehrlich gesagt halte ich das eher für einen schlechten Scherz. Wer mich besser kennt weiß wie gut ich im vortragen von Dingen vor einem Publikum bin (oder auch eben nicht bin) und logisch ist natürlich auch, dass ich auf Chinesisch noch nicht sagen kann, was ich von diesem Auslandsjahr erwarte. Also wünscht mir Glück, ich werde es definitiv brauchen.

Auch auf der Straße habe ich nicht mehr ganz so oft das Gefühl angestarrt zu werden, vielleicht haben sich die Chinesen ja an mich gewöhnt. Natürlich ist es eigentlich andersrum und ich habe mich wohl eher an das Starren gewöhnt, aber mir kommt es halt anders so vor. Ich mag es auch gerne mit meiner Schuluniform herumzulaufen, nicht weil ich sie schön finde, nein, sie ist scheußlich, sondern weil ich dann nicht immer das Gefühl habe von jedem vorbeigehenden Chinesen einen Stempel mit dem Wort „Tourist“ aufgedrückt zu bekommen. Genau genommen habe ich erst ein Teil meiner Schuluniform, ein weißes Poloshirt in Elefantengröße, den Rest bekomme ich im Laufe der Zeit noch.

Es gibt Essen, ich hoffe dass heute keine Entenfüße, die aussehen wie Alienhände, rohe Schweinefüße, Algensuppe oder Qualle dabei sind, sonst wird ich wohl oder übel ohne Essen ins Bett gehen, denn wenn ich etwas esse, dann muss auch alles probiert werden. Aber manchmal ist das Opfer wirklich zu groß, man verzichtet gern auf das Essen. So sind alle glücklich. Du selber, weil du nicht lächelnd Fischaugen essen musst und die Familie weil sie denkt du wärest einfach nicht hungrig. Über das Essen erzähl ich auch gern wann anders noch mal.

Grüße, Küsse,

Marie

Sonntag, 2. September 2007

Schulanfang

Ich weiß ich hatte gesagt, die Schule fängt erst am Montag wieder an. Das hatte ich ehrlich gesagt auch gedacht und offiziell stimmt das auch. Aber in China wird das nicht so eng gesehen. Wenn eine Schule entscheidet, dass die Schule wieder anfängt, dann ist das halt so. Also hatte ich am Donnerstag, ohne es zu wissen meinen ersten Schultag. Ich dachte Danni würde nur schnell ihre Bücher abholen oder so, aber stattdessen wurde ich um 7:45 Uhr bei meiner Klassenlehrerin abgeliefert und hatte dann bis 11 Uhr Schule. Mir war noch niemals so langweilig. Wirklich nicht. Die Stunde fing mit einer 2-stündigen Lautsprecherdurchsage an. Ich hab auf die Uhr geguckt. Es war schrecklich, denn es ist eine Sache, wenn der Lehrer vorne steht und dich zulabert, eine andere wenn er es auf einer anderen Sprache tut, noch dazu Chinesisch. Aber die Härte ist es, wenn der Lehrer noch nicht einmal da ist. Ich hatte solche Aggressionen auf diesen gottverdammten Lautsprecher! Ich habe Danni später gefragt, was der da eigentlich erzählt hat. Sie meinte: „Ach, nichts Wichtiges. Nur, dass wir pünktlich sein sollen, Schuluniformen tragen sollen, Respekt den Lehrern gegenüber zeigen sollen und so was…“ Hallo, 2 Stunden lang?!

Am Freitag musste ich wieder hin, es gab eine Art Vorlesung oder so was. Schon am Donnerstag nach der Schule hatte ich Angst, dass ich am nächsten Tag vielleicht aus Langeweile aus der Aula renne. Als Vorbeugung nahm ich mir also ein Buch mit und wollte mit Andrea, einer anderen Austauschschülerin, SMSn. Wir haben uns hier beide schon ein Handy und eine chinesische SIM-Karte gekauft. Um auf das Thema Preise in China zurückzukommen, eine SMS kostet 1 Cent. Wenn es hoch kommt. Ich schreibe in einem Tag mindestens 20, also zahle ich genauso viel wie ihr da drüben für eine einzige. Paradiesisch. Jetzt weiß ich auch, warum mehr als 3 Viertel aller SMS der Welt in China geschrieben werden. Ach ja, bevor ihr denkt ich benehme mich da voll schlecht wenn ich unter dem Tisch mit dem Handy rumhantiere: Ich bin wirklich nicht die Einzige.

Natürlich ist mein Plan nicht aufgegangen, denn wir durften keine Sachen mit in den Saal nehmen. Es war aber gar nicht so schlimm wie ich dachte. Wir waren in einem Extraraum, die ganze Schule passt nun mal nicht in die Aula. In diesem Raum gab es also eine Art „Live-Übertragung“ von der Vorlesung des Professors, die eher der am schlechtesten aufgebauten Powerpoint - Präsentation der Welt ähnelte. Anscheinend war die Lesung ganz witzig, denn die Schüler um mich herum haben oft gelacht, ich für meinen Teil habe auch gelacht, aber eben an vollkommen anderen Stellen, zum Beispiel wenn der Professor sich mal wieder verklickt hatte und die Präsentation vollkommen aus den Ruder lief. Leider war ich dann anscheinend auch die einzige die das urkomisch fand, denn ich war auch die einzige die an solchen Stellen lachte. Dass dann immer alle in meine Richtung gestarrt haben, hat mich nicht so gestört, denn das tun sie sowieso immer. Ist ja auch kein Wunder wenn aus hunderten von Köpfen ein einziger blond und lockig ist. Trotzdem nervt das und ich fühle mich auch manchmal unwohl, denn der Blick der Chinesen ist meistens kein verhaltenes Luschern sondern ein ungeniertes Starren. Ich überlege jetzt schon, mir die Haare braun zu färben und zu glätten, denn ich werde unglaublich aggressiv wenn ich die Huaihai-Road, eine große Einkaufsstraße, entlanggehe und mir alle 20 Meter ein Schild mit irgendwelchen Taschen, Schuhen etc. drauf, unter die Nase gehalten und „Miss, Miss, do you want a watch, a bag, DVDs? Gucci, Prada, no Fake!“ gesagt wird. Besonders schlimm ist dass ein einfaches „Nein“ nicht ausreicht, die rennen noch lange hinter dir her. Ungefähr so lange, bis mir die nächsten „nicht gefakten“ Designertaschen für 10 Euro angeboten werden. Als ich mit Danni die Straße langgegangen bin, hat sie mich am Anfang ganz verwundert gefragt, warum ich die Verkäufer denn gleich so anschreie, bis sie selbst an dem Punkt angelangt war an dem sie total genervt war. Sie sagte, sie geht nie wieder mit mir diese Straße lang. Verständlich, ich würde es auch nicht machen.

Morgen fängt die Schule dann jedenfalls erst richtig an, dann habe ich jeden Tag von 7:45Uhr bis 15:25Uhr Schule. Am Montag muss ich schon um 7:10 da sein, wegen Flagge hissen und Morgengymnastik. Von 11:50Uhr bis 13:00Uhr hab ich aber Mittagspause.

Am Freitag hab ich auch schon meinen Stundenplan und meine Bücher bekommen. Abgesehen davon, dass ich weder imstande sein werde die Bücher zu lesen, noch dem Unterricht zu folgen, hab ich doch ziemlich viel an Büchern zu schleppen. Ich besitze sogar ein Sport-Buch. Meine Schulfächer sind ähnlich wie die in Deutschland: Mathe, Computer, Englisch, Geschichte, Chemie, Physik, Politik, Kunst, Sport, Chinesisch und Psychologie. Aber ich habe auch Fächer wie „Foreign Languages“, „Activity“ und „Reading“. Bitte fragt mich nicht was wir da machen, ich habe keine Ahnung. Ich werde es euch wissen lassen.

Ich muss jetzt auch langsam schlafen gehen, denn sonst werde ich es morgen in der Schule nachholen und das wollen wir ja nicht.

Gute Nacht!

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