Übersetzungen - Wirklich bereit für die Olympia?

YunNan Fotos

Freitag, 21. Dezember 2007

Weihnachtszeit

6 Tage sind es nur noch bis Weihnachten und ich denke es ist höchste Zeit euch zu berichten wie es hier in dieser Zeit zugeht. Wobei ich damit eigentlich über etwas berichte, was gar nicht existiert, denn wie die meisten von euch sicher wissen feiert man in China ja nicht wirklich Weihnachten, somit bleibt logischerweise auch die Weihnachtszeit eher aus. Die Zeit in der man sich in Deutschland nie entscheiden kann, ob es die stressigste Zeit oder die entspannendste des ganzen Jahres ist. Ich jedenfalls vermisse mittlerweile sogar den stressigen Geschenkkauf und Whams! ewiges Last Christmas. Dass ich so etwas noch mal von mir gebe hätte ich auch nie erwartet.
Weihnachten ist für die Chinesen eher so eine Art Mode, eine lustige Sache aus Amerika, so wie für uns in Deutschland vielleicht Halloween. Somit bekommt man also doch unweigerlich mit, dass zu Hause die gemütlichste Zeit des Jahres begonnen hat; hier und da hängt ein goldener Stern in den Läden, das Gesicht des Weihnachtsmannes lächelt einem entgegen und es gibt sogar kleine Lädchen die sich vollkommen auf den Weihnachtsdekorationsverkauf spezialisiert haben. Man könnte meinen, dass es tröstend ist immer mal wieder ein kleines Anzeichen von Weihnachten zu sehen, das Problem ist nur, dass die Chinesen keinerlei Ahnung haben, worum es bei diesem Fest überhaupt geht und alles Weihnachtliche, jeder kleinste Dekorationsgegenstand wird gnadenlos verkitscht. Nichts was sie in die Finger kriegen ist hinterher nicht pink und glitzern. Wenn man einem Weihnachtsbaum begegnet, beispielsweise vor einer Shoppingmall, dann ist er entweder aus Plastik mit weißem Kunstschnee und kunterbunten Kügelchen, deren Farben leider überhaupt nicht harmonieren, oder aber von einem „Baum“ kann überhaupt nicht mehr die Rede sein, denn es handelt sich um ein riesiges Blechgebilde, das noch entfernt an einen Weihnachtsbaum erinnert und unter den Chinesen wohl dann als modern gilt. Warum man Weihnachten überhaupt feiert, weiß hier auch niemand, mit ganz viel Glück begegnet man jemandem der weiß, dass es im Entferntesten Sinne mit der Kirche zu tun hat. Trotzdem werden sämtliche Verkäufer in Supermärkten dazu genötigt goldglitzerne Weihnachtsmützen zu tragen.
Aber davon will ich mir ja meine Stimmung nicht verderben lassen. Ich mach es mir hier so gemütlich wie es geht und wie könnte ich keine gute Stimmung haben, wenn ich jeden Morgen gleich 3 Adventskalender-Päckchen öffnen darf. Ich habe nämlich gleich 3 abgestaubt, einer kam von meiner Mama, einer von Anja und der letzte von Lia, denn wir Austauschschüler hatten beschlossen, dass wir uns alle gegenseitig einen basteln.
Wie schön es ist, mal wieder die kleinen Leckereien aus Deutschland zu mampfen, eine kleine Packung Smarties hier, ein Stückchen Schokolade da und huch, ein Fettröllchen an meinem Bauch. Ist anscheinend sogar in China unvermeidbar.
Am 24ten gehe ich zusammen mit den anderen Austauschschülern in die Kirche und wir machen uns dann wohl einfach einen gemütlichen Tag. Ich hab mir kurzerhand eine Woche von der Schule freigenommen, vom 24ten bis zum 29ten, denn Weihnachtsferien gibt’s hier natürlich auch nicht. Hab meinen Lehrern einfach erzählt, dass ich sehr streng gläubig bin und dass ich in der Zeit sehr viel in der Kirche sein werde und in der Zeit, die ich nicht dort verbringe, will ich an Jesus Christus denken. Die haben sofort zugestimmt. Ich glaube ich hätte denen auch weismachen können, dass es der deutsche Brauch fordert, eine Woche fastend auf Holzpflöcken zu hocken und dass ich deshalb leider verhindert bin. Musste ich aber nicht, hat ja auch so geklappt.
Auf jeden Fall muss ich somit nur noch eine halbe Woche Schule durchstehen und dann habe ich endlich wieder Ferien. Die habe ich wirklich nötig, meine letzten hatte ich vor 3 Monaten und die nächsten Offiziellen sind irgendwann Ende Januar.
Ansonsten ist hier eigentlich alles ruhig, wie immer. Das Wetter ist eisig kalt, aber die wärmenden Klimaanlagen bleiben leider aus. Meine Gastschwester hat mir neulich sogar eröffnet: „Wir haben Klimaanlage, aber wir benutzen ganze Winter nicht.“ Ist ja auch logisch, wieso sollte man nicht lieber frierend in der Ecke sitzen als die gottverdammte Klimaanlage anzuschalten. Aber ich bin sicher da gibt es Gründe. Leider fallen sie mir in den Momenten in denen ich in meinem Zimmer sitze und ausgeatmete Luft in weißen Wölkchen aus meinem Mund kommen sehe, nicht wirklich ein. Es ist sogar soweit mit mir, dass ich mir Fließpullis gekauft habe.
Schule ist langweilig, wie sich das gehört. Mittlerweile sind schon 4 Koreaner in meiner Klasse, bei denen ich die Geistesgegenwärtigkeit des einen langsam wirklich anzweifle. Er kann so gut wie kein Wort Englisch, behauptet aber immer alles supergut zu verstehen und ruft dann immer laut „I got it!“ Ich wollte das einmal testen und hab so getan als ob ich ihn auf Englisch anspreche, habe ihn aber nur in einem englisch ausgesprochenen Deutsch vollgelabert, von welchem er auch jedes Wort ausgezeichnet verstanden hat. Außerdem behauptet er die Farbe weiß zu sein und damit ein Engel und an dieser Stelle will ich noch mal deutlich betonen dass es sich nicht um ein Mädchen sondern um einen Jungen handelt. Außerdem hat er seiner 16-jährigen Freundin eine Barbiepuppe zu Weihnachten geschenkt, er selbst zieht jedoch Teddybären vor. Ohne seinen pinken iPod verlässt er nicht das Haus und er ist selten ohne Lolli anzutreffen.
Dafür verstehe ich mich mit dem Amerikaner mittlerweile einigermaßen, wahrscheinlich weil wir beide dermaßen genervt von den Koreanern sind.
Chinesisch lerne ich natürlich auch immer mehr, nur mit den Zeichen hadert es noch immer etwas. Egal wie oft ich sie abschreibe, nach 5 Minuten hab ich sie einfach wieder vergessen. Trotzdem sollte ich mittlerweile so um die 500 Zeichen schreiben können. Gesprochen und in der europäischen Schreibweise weiß ich natürlich schon etwas mehr. Nervig find ich nur, dass ich ab und zu schon Zeichen für Wörter wie „Skifahren“ lernen muss und die passen momentan echt nicht auch noch in meinen Kopf hinein. Die lass ich dann meistens einfach erstmal aus.
Meine Schule hat uns angeboten, dass wir am Ende des Jahres den „HSK“ machen können, ein Chinesisch Abschlusstest ungefähr so wie der „TOEFL“ für Englisch. Mir wurde aber berichtet, dass der HSK ziemlich schwer sein soll und dass schon mancher meiner Vorgänger gnadenlos durchgerasselt ist, aber was soll’s, probieren kann ich’s ja.
Die Zeit, die ich bis jetzt in China verbracht habe, ist rasend schnell vergangen und ich kann mir gar nicht vorstellen, dass ich jetzt schon 4 Monate hier bin. Ziemlich verrückt. Genau ein halbes Jahr seid ihr mich also noch los und dann komme ich zurück.
Ich hoffe ich kann meinen Geburtstag schon wieder in Deutschland feiern, meine Abreise ist nämlich genau in der Zeit zwischen dem 19. und dem 25.06.2008. Mit viel Pech muss ich ihn also mit den Stewardessen im Flugzeug feiern. Obwohl das vielleicht ja auch ganz witzig sein könnte…
Auf jeden Fall wünsch ich euch eine wunderwunderschöne Weihnacht ohne mich und einen guten Rutsch ins Jahr 2008!

Eure Marie

Dienstag, 6. November 2007

Gewöhnung

Heute melde ich mich nach langer Zeit mal wieder bei euch. Ich habe nicht mehr geschrieben, da sich in letzter Zeit in meinem Leben nicht viel verändert hat. Keine weiteren Kulturschocks, einschneidende Erlebnisse oder Sonstiges. Ich denke, ich habe mich so langsam eingelebt und die Dinge, die ich anfangs urkomisch gefunden und euch sofort berichtet hätte, sind für mich einfach stinknormal geworden.

Gerade in China angekommen, habe ich mich immer über viele komische Gestalten gewundert, die mir auf der Straße begegnen, mittlerweile bemerke ich es gar nicht mehr, wenn mir einer in Schlafanzug und Puschen entgegenkommt, lauthals singt oder mit sich selbst redet. Denn wenn man bei jedem Menschen, der in Deutschland schräge Blicke kassieren würde, aufblickte, dann hätte man den ganzen Tag nichts anderes zu tun.

Meine Zeit in China rennt mir davon und ehe ich es gemerkt habe, sind bereits mehr als 2 Monate vergangen. Nur in ein paar Momenten kriege ich schon Panik, wenn ich daran denke, dass es jetzt noch 8 Monate sind. Zum Beispiel, wenn ich mich frage, was ich wohl tun würde, wäre ich jetzt in Deutschland, zum tausendsten Mal das Essen verfluche oder über den chinesischen Zeichen verzweifele. Aber genauso oft freue ich mich darüber, noch eine so lange sorgenfreie Zeit vor mir zu haben.

Ich habe gemerkt, dass ich unbedingt ein Hobby brauche, denn sosehr ich das Nichtstun doch manchmal begrüße, so macht es mich hier auf die Dauer verrückt. Leider ist das nicht so einfach eines zu finden, denn wie bereits öfter erwähnt, haben die Chinesen in meinem Alter keine Freizeit und damit auch keine Zeit einen Sport auszuüben. Sportclubs gibt es hier folglich nicht wirklich. Manchmal kommt es aber auch vor, dass ein Jugendlicher hier das Klavierspielen lernt, was aber mehr aus dem Grund geschieht, dass er Punkte für die Universität sammelt. Trotz alledem bin ich optimistisch, irgendwas wird ja wohl zu finden sein, zumal ich zu fast allem bereit wäre, von Badminton bis zu Töpfern.

Zu allererst haben wir Austauschschüler beschlossen zusammen einen Chinesisch-Kochkurs zu machen und ich gehe jetzt einmal die Woche mit Golo Tennis spielen. Schon mal ein Anfang.

Hier fängt es jetzt langsam auch an Winter zu werden und ich habe mir erstmal eine fette Erkältung eingefangen. Am schlimmsten ist eigentlich die Tatsache, dass es hier keine Heizungen gibt. Wenn man Glück hat, dann gibt es eine Klimaanlage; in meiner International Class gibt es eine, in meiner chinesischen Klasse hingegen nicht. Deshalb saß ich heute auch frierend in meinem Wintermantel im Klassenzimmer. Es soll tatsächlich Austauschschüler gegeben haben, die Frostbeulen bekommen haben, weil sie zu Hause noch nicht einmal Klimaanlagen hatten. Keine Sorge, ich habe eine in meinem Zimmer, trotzdem wird da wohl noch einiges auf mich zukommen.

Während die Zeit also vergeht und ich fleißig Chinesisch lerne, merke ich allerdings auch, wie ich einiges an wichtigen Dingen vergesse. Als meine Mathelehrerin zum Beispiel letztens mit Quadratischen Funktionen ankam, habe ich feststellen müssen, dass ich keine Ahnung mehr davon hatte. Oder wenn ich versuche mir französische Sätze zusammenzubauen, merke ich, wie sich doch tatsächlich chinesische Wörter mit hereinschleichen und ich am Ende nur Französisch-Chinesisch Kauderwelsch herausbringe. Ich bin mir sicher, dass mich weder ein Chinese noch ein Franzose verstehen würde. Besonders verwunderlich ist ja auch irgendwie, dass diese Sprachen eigentlich nicht das kleinste Bisschen gemein haben. Während mein ohnehin schon geringes bisschen an Französisch also langsam verschwindet verschlechtert sich auch mein Englisch. Und zwar nicht weil ich es nicht genug spreche, sondern mehr, weil meine Gesprächspartner meistens nur sehr schlechtes Englisch sprechen und man selbst dann auf das fünfte Klasse Englisch zurückgreift um sicher zu gehen, dass man auch verstanden wird. So schrumpft das Vokabular doch schon ein wenig. Letztens habe ich feststellen müssen, dass ich vergessen hatte, was Kerze bedeutet, weshalb ich mich (beschämt) an meinen amerikanischen Klassenkameraden wenden musste um ihn zu fragen: „Hey, Rex. Those wax things, that you put on with the lighter, how where they called again? I forgot.” Peinlich.

Mittlerweile habe ich einen großen Teil meiner Schuluniform erhalten, bestehend aus 2 Blusen (lang- und kurzärmlig), 2 Poloshirts (lang- und kurzärmlig), 2 Jogginghosen und einem 2-teiligen Trainingsanzug, der aufgrund seiner grauen Farbe und seiner Größe angezogen sehr an Elefanten erinnert. Mir kam das auf jeden Fall zuerst in den Sinn. Gott sei dank muss ich mich der Schuluniform wegen aber nicht schämen, da sie ja jeder trägt. Das ist ja das Tolle an Schuluniformen. Was für eine Erkenntnis! Ich hasse sie trotzdem... Eigentlich muss ich sie aber auch gar nicht tragen, als Austauschschülerin habe ich hier ein paar Sonderrechte. Trotzdem trage ich sie eigentlich fast jeden Tag und niemand beschwert sich, wenn ich die Bluse mit einer Jeans kombiniere oder die Schuluniform einfach mal einen Tag weglasse, weil ich nach der Schule noch was vorhabe.

Morgen habe ich einen Test, ein „Mid-Term-Exam“, was eigentlich total schwachsinnig ist, da ich ja gar keine Noten kriege, aber trotzdem will ich ja so gut wie möglich abschneiden, deshalb geh ich jetzt langsam mal duschen und ab in die Haia.

Wan’an!

Marie

Freitag, 5. Oktober 2007

Von Koreanern, Frauen-Fußball und Hochzeiten

Ich habe endlich Ferien! Nur eine Woche, aber immerhin. Nach chinesischer Logik hatten wir deshalb letzte Woche auch noch Samstag und Sonntag ganz normal Schule. Mit der Begründung, dass man ja in den Ferien nicht zur Schule geht. Bin ich die einzige, die darin keinen tieferen Sinn entdecken kann? Ich dachte immer, man hat Ferien, damit man nicht zur Schule gehen muss… Na ja, China halt.

In den Schulalltag habe ich mich mittlerweile eigentlich komplett eingewöhnt. In meiner International Class haben wir auch noch einen neuen Schüler, einen Koreaner. Jetzt ist der Zirkus da komplett. Wir haben einen Amerikaner, der manchmal mitten in der Stunde aufsteht und anfängt etwas an die Tafel zu malen, oder der viel zu spät zur Stunde kommt und sich zuerst auf einen Stuhl vor unsere Klimaanlage stellt um abzukühlen. Sowieso ist er total überzeugt davon, dass sein Chinesisch absolut perfekt ist, leider bemerkt er nicht, dass ihn kein Schwein versteht.

Dann haben wir eine Koreanerin. Ich habe noch niemals in meinem Leben einen Menschen so viel schlafen sehen. Wenn wir Sportunterricht haben, dann zieht sie sich ihre Schuhe aus, rollt sich auf einer Sportmatte zusammen und schläft die ganze Stunde durch. Einmal hatten wir Chinesisch Unterricht und meine Lehrerin fragte mich, wo denn die Koreanerin wäre, woraufhin mir einfiel, dass sie nach Sport ja niemand geweckt hatte. Ich musste also aus dem fünften Stock runterstratzen um ihren Schlaf zu unterbrechen.

Sie schafft es sogar, in jeder 10-Minuten-Pause einzunicken. Die Koreaner aus der Nachbarklasse haben das irgendwie mitgekriegt und machen sich einen Spaß daraus, in jeder Pause in unsere Klasse zu kommen um sie irgendwie aufzuwecken. Das Fieseste war wohl, als jemand ihr direkt ins Ohr geschrieen hat.

Der Neue ist auch ein bisschen komisch. Er ist 17, sieht aus wie 13 und verhält sich auch so. Er kann so gut wie kein Wort Englisch, aber er hat sich mal von dem Ami sämtliche englische Schimpfwörter beibringen lassen. Das ging von „Fuck You“ über „You are full of Shit“ bis zu „Fucking Hell“! Das Problem ist, dass er sich leider nur letzteres merken konnte. So kommt es, dass er immer durch die Klasse rennt und „Fucking Hell“ brüllt und dabei immer jedem den Mittelfinger zeigt. Die Koreanerin erwidert das immer, dann er wieder und das geht erstmal Stunden so. Na ja, jedem das seine.

Ich merke langsam, dass mein Chinesisch sich verbessert und dass ich manchmal sogar ein paar Wortfetzen verstehe. Neulich zum Beispiel hat mich jemand an der Bushaltestelle angelabert und ich hab ihm dann gesagt, dass ich ihn nicht verstehe. Das schien ihn aber nicht sonderlich zu stören und er brabbelte weiter und ich hab ihn verstanden! Der hat mich nämlich gefragt woher ich komme und dann fing er sofort mit Fußball an und ob ich das Spiel gesehen hab. Ich konnte ihm sogar antworten und ihm mitteilen, dass ich sogar im Stadion war. War ich nämlich, zusammen mit Golo und Moritz. War ziemlich lustig. Und wer kann schon von sich behaupten, das er ein Fußballspiel gesehen hat in dem Deutschland Weltmeister geworden ist?

Ansonsten habe ich in den Ferien nicht viel gemacht, hab mich eigentlich meistens nur mit den anderen Austauschschülern getroffen.

Nur gestern war ich auf einer Hochzeit. Das war ziemlich lustig. Danni war nämlich Brautjungfer und deshalb sind wir irgendwie schon um halb neun zur Wohnung der Eltern der Braut gefahren. Das wusste ich aber irgendwie nicht, mir hatte das keiner erzählt. Auf jeden Fall war ich dann plötzlich mit der Braut im Schlafanzug, Danni und der anderen Brautjungfer in einem Zimmer, in dem die Braut geschminkt wurde. Also saß ich da eine Stunde lang und habe geguckt, wie ihr knallrotes Rouge, pinker Lidschatten und Glitzer bis zur Augenbraue und roter Lippenstift verpasst wurde. Danach zog sie ein champagnerfarbenes Kleid mit Perlenstickereien mit einem weißen Schleier mit anderen Perlenstickereien und dazu goldene Glitzerschuhe an. Noch ein passendes (oder auch nicht) Krönchen aufgesetzt und sie war fertig. Als sie dann in voller Pracht dastand musste ich irgendwie an diese Schminkpuppen für Kinder denken. Wisst ihr diese Köpfe die dann frisiert und geschminkt werden können aber meistens von kleinen Mädchen mit bunten Stiften missbraucht werden. Na ja, auf jeden Fall kam ich dann aus diesem Zimmer raus und stellte fest, dass plötzlich die gesamte Wohnung voll mit Menschen war. Dann kam ein Kameramann und das Brautpaar musste den Moment in dem der Mann seine Zukünftige sieht immer wieder nachspielen, damit alles auch perfekt im Kasten war. Dann wurde mir gesagt ich soll in den Fahrstuhl gehen und ich nahm natürlich an, dass wir jetzt irgendwohin fahren, wo gefeiert wird. Dem war aber nicht so. Ich stand plötzlich im sechsten Stock in der neuen Wohnung des Paares, die sich im gleichen Haus wie die Wohnung der Eltern befindet. Ist nicht unüblich in China. Plötzlich kam dann die Braut wieder raus und hatte kein Kleid mehr an, sondern Jeansrock und T-Shirt. Hat mich natürlich etwas gewundert und mich gefragt ob die Hochzeit denn schon vorbei ist. War sie aber nicht. Noch lange nicht. Wir stiegen dann alle in Autos und fuhren zu einem Restaurant mit einem riesigen Raum wo alle aßen. Da haben wir dann aber nicht gegessen, sondern wir saßen in einem Extra-Raum mit dem Brautpaar, eben weil Danni Ehrengast war. Als ich dann wieder aus diesem Raum herauskam, da die Braut sich dann doch wieder ihr Kleid anziehen wollte, waren die ganzen Leute verschwunden.

Als nächstes fuhren wir dann zu einem Park und als ich aus dem Autofenster schaute, sah ich, dass es in diesem Park von Bräuten nur so wimmelte. Ich dachte, vielleicht macht man das ja so, dass man sich mit ganz vielen Pärchen zusammentut und feiert aber wir gingen nur in diesem Park rum und machten Fotos. Ich habe dann Danni gefragt wo wir denn sind und was wir hier machen und warum hier so viele Braüte sind. Sie hat gesagt: „Ist schön, alle machen hier Fotos.“

Wir blieben dann also 2 Stunden in diesem Park und machten Fotos vom Brautpaar. Mir war ziemlich langweilig und deshalb habe ich ein neues Spiel erfunden; das lustige „Such die Braut“-Spiel. Das geht so: Ich fotografier in irgendeine Richtung und guck danach, wie viele Bräute ich ins Bild bekommen habe. Könnt ihr auch spielen, ganz unten auf dieser Seite. Viel Spaß.

Danach ging es dann endlich zu dem Restaurant in dem die Feier stattfinden sollte. Alles war pink, plüschig und glitzern dekoriert. Plötzlich waren an die 500 Gäste da und es gab auch endlich eine Art Zeremonie mit Ringe austauschen und so. Es wurde gegessen aber während des Abends hat man nicht viel von der Braut gesehen, die kam nämlich andauernd mit neuen Barbie-Kleidern an um dann schnell wieder wegzuhetzen und sich wieder umzuziehen. Insgesamt hatte sie vier Kleider an. Am Ende des Abends sind das Brautpaar und die Trautzeugen dann aber zu jedem Tisch gegangen und an manchen Tischen mussten sie halt dann auch anstoßen.

So gegen neun Uhr kam dann Danni angerannt, völlig verzweifelt und fragte mich ob ich ihr helfen kann, weil sie nichts mehr trinken kann, aber muss weil sie Trautzeugin ist. Ich hab ihr dann halt angeboten für sie zu trinken und plötzlich stand ich vor ungefähr 15 Betrunkenen Chinesen, die sich wahnsinnig freuten, dass ich mit denen einen trinke. Die haben Danni dann auch ein Glas gegeben, das hab ich ihr aber weggenommen und gesagt, dass sie nicht mehr will. Erbarmen gab es aber nicht, sie musste die Hälfte trinken. Ich hab dann also auch getrunken und wollte wieder weggehen als mich dann jemand antippte, auf ne andere Gruppe Chinesen zeigte und mir mitteilte, dass die auch noch „Cheers“ mit mir machen wollen. Also wurde ich dann zu diesem Tisch geschleppt und hab noch einen getrunken, woraufhin ich dann an die nächste saufende Gruppe weitergeleitet wurde. Gott sei dank kam dann aber die Mutter von der Braut und hat mich da weggeholt. Die Rettung war aber nur kurzweilig, denn daraufhin wurde ich wieder verschleppt. Seufzend kündigte ich dann an, dass ich noch einen trinke und keinen mehr. Hab ich dann auch gemacht und danach hab ich mich in die hinterletzte Ecke des Restaurants verzogen. Wer behauptete die Chinesen sind nicht trinkfest- der hat Recht.

So jetzt wisst ihr, wie man in China heiratet und ich muss los.

Kuss, Marie

Montag, 1. Oktober 2007

Ein Monat ist vorbei!

Einen Monat bin ich jetzt schon von zu Hause weg. Ich bin mir noch immer nicht ganz im Klaren, ob die Zeit wie im Flug vorbeizog, oder ob mir 4 Wochen noch nie so lang vorkamen. Auf jeden Fall ist es eines von beidem. Ich glaube, ich bin mittlerweile geistig hier angekommen, aber wohnen tue ich hier noch nicht. Ich habe wohl auch realisiert, dass meine Reise für einen Urlaub doch schon zu lang ist, trotzdem fällt es mir schwer vorzustellen, dass ich diesen Ort für die nächsten neun Monate mein Zuhause nennen soll. Versteht mich nicht falsch, ich meine damit nicht, dass es mir hier nicht gefällt, es ist nur alles schon sehr fremd.

Als ich mir vor Kurzem meine anderen Einträge noch einmal durchgelesen habe, ist mir aufgefallen, dass ich eigentlich über alles berichte, nur die Menschen mit denen ich hier zu tun habe, scheine ich dabei offensichtlich vergessen zu haben. Also sollte ich sie euch mal vorstellen. Meine Gasteltern sind total nett. Die Chance, mich richtig mit ihnen zu unterhalten habe ich leider nicht, das dauert wohl auch noch, eben so lange, bis ich anständig Sätze auf Chinesisch rausbringe. Aber obwohl ich ziemlich unkommunikativ wirken muss, sind sie immer total freundlich. Meine Gastmutter arbeitet nicht und ist den ganzen Tag zuhause. Mein Gastvater arbeitet schon, aber irgendwie habe ich noch nicht ganz herausgefunden, was. Er arbeitet zuhause und sitzt eigentlich nur am Computer und guckt sich Aktienkurse an. Wenn überhaupt. Ich habe meine Gastschwester mal gefragt, was er denn genau macht, woraufhin ich die Antwort „Buisnessman“ bekam. Aha, danke, jetzt bin ich um einiges schlauer. Mit Danni habe ich seit Schulanfang nicht mehr viel zu tun. Wir gehen jeden Morgen zusammen hin, aber nach der Schule setzt sie sich eigentlich immer hin und lernt. Ich weiß nicht, bis um wie viel Uhr, auf jeden Fall lange, denn sie ist noch immer am Lernen, wenn ich schon längst im Bett liege.

Ich muss sagen, dass ich mit den anderen Austauschschülern die meiste meiner Zeit verbringe. Chinesische Freunde habe ich noch nicht gefunden. Da ich meistens in meiner International Class bin und nur noch wenig mit meinen früheren Mitschülern zu tun habe, sind noch nicht wirklich Freundschaften entstanden. Abgesehen davon, haben Schüler in meinem Alter aber auch gar keine Zeit nach der Schule Dinge zu unternehmen, denn wie meine Gastschwester lernen sie. Sie sind alle sehr nett, das schon, aber auch alle ein Jahr jünger als ich und benehmen sich na ja, noch sehr viel jünger.

So kommt es also, dass ich mich mit den anderen Austauschschülern gut angefreundet habe, mit Lia, Mo, Golo und Andrea. Wir waren schon im Zoo, bei dem 10ten deutschen Bierfest (wir sind aber nicht rein gegangen, 38 Euro war uns zu teuer), in Einkaufszentren und natürlich in sämtlichen Fast-Food-Ketten die Shanghai zu bieten hat. Pizza Hut, McDonalds, Burger King, Papa Johns, Subway und neulich haben wir Taco Bell neu entdeckt. Sehr lecker. Es ist nicht so, dass wir unbedingt fett werden wollen, nur chinesisches Essen ist, nun ja, etwas gewöhnungsbedürftig.

Wenn ich zuhause esse, dann schmeckt mir das Essen eigentlich immer gut. Es gibt viel gekochtes Gemüse, meistens Sorten die ich in Deutschland noch nie gesehen habe. Reis gibt es auch immer und oft Garnelen, Fisch aber manchmal schummelt sich auch etwas Ekliges wie Entenhals auf den Tisch. Ich versuche mich dann halt immer daran vorbeizuschummeln und alles andere zu essen ohne, dass es jemand merkt. Klappt manchmal, leider nicht immer. Oft zeigt meine Gastfamilie auf ein Gericht und sagt den chinesischen Namen, eine indirekte Aufforderung doch mal zu probieren, der ich dann widerwillig jedoch lächelnd Folge leiste.

Jedoch wirklich widerlich ist das Essen im Restaurant und wir gehen oft essen. Meistens mit Geschäftskollegen von meinem Gastvater. In den besseren Restaurants bekommt man einen eigenen Raum zugewiesen mit einem riesigen, runden Tisch mit einer Drehplatte in der Mitte. Auf die werden dann im Laufe des Abends ganz viele kleine, verschiedene Gerichte serviert und die Platte wird immer gedreht, sodass jeder alles essen kann. In dem Raum stehen immer zwei Kellner in der Ecke um bei Bedarf Tee oder sonstige Getränke nachzuschenken oder schmutzige Teller durch saubere zu ersetzen. Besonders luxuriös ist es, wenn man auch noch einen eigenen Fernseher im Zimmer hat. Eigentlich ist das auch immer ganz gemütlich, wenn doch bloß das Essen nicht wäre. Am Anfang dachte ich noch, das wäre kein Problem, wenn ich mich beim Essen etwas zurückhalte und immer mal wieder nur von dem esse, was ich mag, aber da hab ich wohl falsch gedacht. Irgendjemand passt immer auf, dass „Mahie“ auch alle Leckereien einmal kostet. Meistens ist es der Chef meines Gastvaters, denn er bezahlt den Spaß meistens. So kommt es dann doch manchmal vor, dass roher Schweinefuß oder -ohr, Qualle oder Entenfuß in meinem Mund verschwinden. Bestimmt habe ich noch weitere ekelhafte Sachen gegessen, ich weiß es nur nicht, denn ich habe festgestellt, dass man Dinge mit der Gewissheit, dass es sich dabei um beispielsweise Fischauge handelt, sehr viel schlechter runterkriegt. Danni macht sich allerdings gerne einen Spaß daraus. Wenn wieder jemand auf irgendwas zeigt und ich es also esse sagt sie: „Weißt du was das ist? Jellyfish!“ Schmeckt übrigens genau wie Gummi.

Aber wirklich eklig war es auch als ein riesiger Topf auf unsere Drehplatte gestellt wurde und die Kellnerin sich irgendwie mit den anderen am Tisch unterhielt woraufhin auf mich gezeigt wurde und meine Schüssel mit etwas gefüllt wurde. Mir wurde die unglaubliche Ehre zuteil, den Fischkopf zu essen! Ich wusste gar nicht, wie ich mich bedanken soll…

Bei Weitem das Ekelhafteste, was mir vorgesetzt wurde, war aber eine Art Algensuppe oder so. Ich kam nach der Schule nach Hause und meine Gastmutter machte mir Reis mit Scampis warm, total lecker. Doch 5 Minuten später wurde mir auch noch ein übel riechender Matsch vor die Nase gestellt. Ich habe ja im Laufe der Zeit die Taktik entwickelt, wirklich abartige Sachen einfach mit Wasser ungekaut runterzuspülen. Bei vielen Dingen klappt das super, eigentlich bei sämtlichen Suppen und Sachen wie Seegurke oder so.

Aber schon als ich den Algenmatsch-Löffel nur in die Nähe meines Mundes führte war mir zum Kotzen zumute. Und nachdem ich das Zeug runterschluckte musste ich würgen. Mir war klar, das kann ich nicht essen. Also brauchte ich einen Plan. Ich war allein mit meiner Gastmutter, die auf dem Sofa saß, ich war nicht in ihrem Blickwinkel. Dann sah ich die Küchentücher und schnappte mir ein paar in die ich die Algen einwickelte. Das artete aber erstmal zu einer Sauerei aus, denn die Flüssigkeit sabschte durch alles durch und ich hätte Ewigkeiten gebraucht um alles in diesen Tüchern zu entsorgen. Aber mit meiner Schüssel einfach ins Bad gehen und den Matsch das Klo runterzuspülen ging ja schlecht. Aber mit dem Trinken konnte ich es machen. Also fing ich an, alles in meine Tasse reinzuschaufeln um dann unauffällig aufs Klo zu schlendern. Was für eine Erleichterung, als ich mit leeren Tasse zum Esstisch zurückkam! Ich klimperte noch einen Moment mit meinem Löffel auf der leeren Schüssel herum um dann zu verkünden, dass ich satt wäre und es mir unglaublich gut geschmeckt hätte.

Wenn ich sagen müsste was ich in meiner Zeit hier gelernt habe würde ich wohl sagen: „Das Auge isst mit! – Und Chinesen essen Augen mit…“

Denkt an mich, wenn ihr Schwarzbrot esst!

Marie

Mittwoch, 12. September 2007

Alltag

Jetzt hat die Schule richtig angefangen. Jeden Morgen stehe ich um 6 Uhr auf und bin circa um 7:10 Uhr in der Schule. Vor der ersten Stunde um 7:45 Uhr machen wir nämlich immer Morgengymnastik mit der gesamten Schule und die Klassenlehrerin sagt wichtige Sachen an. Zumindest nehme ich an, dass sie wichtig sind, aber ich verstehe ja nichts. Morgengymnastik ist relativ belustigend. Da steht doch tatsächlich die ganze Schule auf dem Schulhof und „tanzt“ eine Choreographie. Ich mittendrin. Leider kann ich nur die Hälfte davon und so kommt es, dass ich 2 Minuten hilflos mittendrin stehe während alle um mich herumhüpfen, in die Hocke gehen und ich kann mich nicht richtig entscheiden, ob ich deshalb lachen oder mich zu Tode schämen soll. Es ist wohl eine Mischung aus beidem, wenn ich dann versuche die anderen nachzumachen und trotz meiner Lachkrämpfe so wenig wie möglich aufzufallen. Zwecklos. Aber man lernt ja bekanntlich mit der Zeit und so werde ich wohl hoffentlich auch diese beknackte Reihenfolge dieser dämlichen Bewegungen lernen. Die Flagge wird jeden Morgen gehisst, aber nur montags richtig feierlich mit Hymne singen und marschieren.

Dann habe ich fünf Stunden bis zur 70-minütigen Mittagspause um 12:50 Uhr. Es wurde eingeführt, dass die Schüler in ihren Klassen essen und so stehen immer pünktlich 2 Kartons mit roten Tupperdosen, gefüllt mit unserem Mittagessen, vor den Klassenzimmern und warten darauf gegessen zu werden. Wenn ich ehrlich bin, dann würde ich sie am liebsten ewig warten lassen, aber letztendlich entschließe ich mich dann doch immer wieder gegen McDonalds und für das eher minder genießbare Schulessen. Obwohl McDonalds nur 5 Minuten entfernt legt. In den Mittagspausen gehe ich manchmal bummeln, denn wie bereits gesagt liegt die XiangMing High-School direkt in der besten Shopping Gegend. Und H&M mittendrin. Was gibt es Schöneres?

Nach der Mittagspause habe ich dann aber noch mal 3 Stunden und danach sagt die Klassenlehrerin wieder wichtige Sachen an. Manchmal frage ich mich wirklich, ob diese Sachen echt alle wichtig sein können.

Um ungefähr 4 Uhr werde ich dann in die Freiheit entlassen, ungünstigerweise aber auch mitten in die Rush Hour. Die Rückfahrt mit dem Bus dauert also wesentlich länger als die Hinfahrt. Zu Hause angekommen bin ich also meistens völlig fertig und habe keine Lust noch etwas zu unternehmen, meistens gehe ich um neun Uhr ins Bett. Wenn ich doch noch etwas mache, dann ist das eine eher stressige Angelegenheit, denn erstmal zu dem Ort hinzukommen zu dem man will stellt sich als äußerst schwierig heraus. Das U-Bahn-Netz ist katastrophal und die Busse sind, wie bereits erwähnt, sehr langsam. Taxi ist zwar billig, aber das häuft sich auf Dauer auch an und um die Zeit ein Taxi zu bekommen ist wie ein Sechser im Lotto. Aber da meistens alle zur Verabredung zu spät kommen, muss ja keiner warten. Um 10 Uhr muss ich spätestens zu Hause sein. Also hab ich nicht viel Zeit.

Seit dieser Woche bin ich in einer International Class, bestehend aus 3 Schülern. Einer Koreanerin die nicht redet, einem aus Texas und mir natürlich. Ich und der Amerikaner harmonieren eher nicht so gut, milde ausgedrückt. Seit dieser Woche ist also Schluss mit einem Buch am Tag lesen und mal eben die 2 Stunden Schlaf nachholen, die man in der Nacht verpasst hat. Während ich nämlich in der chinesischen Klasse unter den 40 Schülern nicht so sehr aufgefallen bin und die Lehrer sich auch nicht sonderlich dafür interessiert haben, was ich tue, weil sie eben wissen, dass ich kein Wort verstehe, steht man in einer 3-köpfigen Klasse ganz schön unter Beobachtung. Auf der einen Seite bin ich darüber dankbar, da ich ziemlich viel Chinesisch lerne, eben von 8 Uhr morgens bis 4 Uhr nachmittags, auf der anderen Seite wünsch ich mir die dämliche Schule aber wirklich auf den Mond.

Zum Beispiel wenn die vier verschiedenen Chinesisch Lehrerinnen mal wieder den ganzen Tag dasselbe machen, weil sie sich nicht absprechen und noch dazu kein Englisch verstehen. Zählen konnte ich schon bevor ich hierher gekommen bin, genauso wie meine Mitschüler, für die Lehrer allerdings scheint dieses Thema wichtig genug um sich einen ganzen Tag damit auseinanderzusetzen.

Oder heute als ich Musik hatte und unsere Lehrerin so ein absolute hohes chinesisches Volkslied abspielte, die Koreanerin sofort einschlief, der Ami meinte er würde so was nicht singen, er höre nur Heavy Metal und sich stattdessen mit Headbanging beschäftigte. Ich blieb also als Einzige übrig. Da die Lehrerin eine der schüchternen Sorte war, die sich dann nicht traut etwas gegen schlafende oder headbangende Schüler zu sagen und sie mir wirklich Leid tat hab ich mich doch tatsächlich dazu hinreißen lassen mit einer leichten Erkältung eine ganze Stunde lang ein chinesisches Volkslied-Solo hinzulegen. Danach hab ich mich dann dazu entschieden diese vierte Stunde mittwochs lieber lesend in meiner chinesischen Klasse zu verbringen als trällernd in einem Haufen von Verrückten. Die Freiheit habe ich nämlcih was Fächer wie Musik, Sport etc. angeht.

Aber die Härte war es, dass ich heute, nach dem anstrengendesten Schultag meines Lebens noch mit Hausaufgaben, die mich bis um 8 Uhr abends beschäftigen sollten überhäuft wurde. Hab ich mich jemals darüber beschwert meine chinesische Klasse sei mir zu langweilig dann entschuldige ich mich und nehme alles zurück. Sie ist das Paradies. Wenn ich in einem Jahr aufgrund meiner International Class nicht mit perfektem Chinesisch zurückkomme mit dem ich einen Doktortitel verdienen würde, dann verklage ich aber so einige Leute.

Trotzdem gewöhne ich mich so langsam an den Alltag hier. In der Schule ist es angenehmer, denn sie ist relativ klein und fast jeder hat mich jetzt einmal gesehen, als Austauschschülerin erkannt und ich werde morgens nicht mehr ganz so oft mit „Laoshí Hao.“ begrüßt, was soviel bedeutet wie „Guten Tag, Frau Lehrerin.“ Am Montag muss ich mich auch noch beim Fahnenappell auf Chinesisch der ganzen Schule vorstellen aber ehrlich gesagt halte ich das eher für einen schlechten Scherz. Wer mich besser kennt weiß wie gut ich im vortragen von Dingen vor einem Publikum bin (oder auch eben nicht bin) und logisch ist natürlich auch, dass ich auf Chinesisch noch nicht sagen kann, was ich von diesem Auslandsjahr erwarte. Also wünscht mir Glück, ich werde es definitiv brauchen.

Auch auf der Straße habe ich nicht mehr ganz so oft das Gefühl angestarrt zu werden, vielleicht haben sich die Chinesen ja an mich gewöhnt. Natürlich ist es eigentlich andersrum und ich habe mich wohl eher an das Starren gewöhnt, aber mir kommt es halt anders so vor. Ich mag es auch gerne mit meiner Schuluniform herumzulaufen, nicht weil ich sie schön finde, nein, sie ist scheußlich, sondern weil ich dann nicht immer das Gefühl habe von jedem vorbeigehenden Chinesen einen Stempel mit dem Wort „Tourist“ aufgedrückt zu bekommen. Genau genommen habe ich erst ein Teil meiner Schuluniform, ein weißes Poloshirt in Elefantengröße, den Rest bekomme ich im Laufe der Zeit noch.

Es gibt Essen, ich hoffe dass heute keine Entenfüße, die aussehen wie Alienhände, rohe Schweinefüße, Algensuppe oder Qualle dabei sind, sonst wird ich wohl oder übel ohne Essen ins Bett gehen, denn wenn ich etwas esse, dann muss auch alles probiert werden. Aber manchmal ist das Opfer wirklich zu groß, man verzichtet gern auf das Essen. So sind alle glücklich. Du selber, weil du nicht lächelnd Fischaugen essen musst und die Familie weil sie denkt du wärest einfach nicht hungrig. Über das Essen erzähl ich auch gern wann anders noch mal.

Grüße, Küsse,

Marie

Sonntag, 2. September 2007

Schulanfang

Ich weiß ich hatte gesagt, die Schule fängt erst am Montag wieder an. Das hatte ich ehrlich gesagt auch gedacht und offiziell stimmt das auch. Aber in China wird das nicht so eng gesehen. Wenn eine Schule entscheidet, dass die Schule wieder anfängt, dann ist das halt so. Also hatte ich am Donnerstag, ohne es zu wissen meinen ersten Schultag. Ich dachte Danni würde nur schnell ihre Bücher abholen oder so, aber stattdessen wurde ich um 7:45 Uhr bei meiner Klassenlehrerin abgeliefert und hatte dann bis 11 Uhr Schule. Mir war noch niemals so langweilig. Wirklich nicht. Die Stunde fing mit einer 2-stündigen Lautsprecherdurchsage an. Ich hab auf die Uhr geguckt. Es war schrecklich, denn es ist eine Sache, wenn der Lehrer vorne steht und dich zulabert, eine andere wenn er es auf einer anderen Sprache tut, noch dazu Chinesisch. Aber die Härte ist es, wenn der Lehrer noch nicht einmal da ist. Ich hatte solche Aggressionen auf diesen gottverdammten Lautsprecher! Ich habe Danni später gefragt, was der da eigentlich erzählt hat. Sie meinte: „Ach, nichts Wichtiges. Nur, dass wir pünktlich sein sollen, Schuluniformen tragen sollen, Respekt den Lehrern gegenüber zeigen sollen und so was…“ Hallo, 2 Stunden lang?!

Am Freitag musste ich wieder hin, es gab eine Art Vorlesung oder so was. Schon am Donnerstag nach der Schule hatte ich Angst, dass ich am nächsten Tag vielleicht aus Langeweile aus der Aula renne. Als Vorbeugung nahm ich mir also ein Buch mit und wollte mit Andrea, einer anderen Austauschschülerin, SMSn. Wir haben uns hier beide schon ein Handy und eine chinesische SIM-Karte gekauft. Um auf das Thema Preise in China zurückzukommen, eine SMS kostet 1 Cent. Wenn es hoch kommt. Ich schreibe in einem Tag mindestens 20, also zahle ich genauso viel wie ihr da drüben für eine einzige. Paradiesisch. Jetzt weiß ich auch, warum mehr als 3 Viertel aller SMS der Welt in China geschrieben werden. Ach ja, bevor ihr denkt ich benehme mich da voll schlecht wenn ich unter dem Tisch mit dem Handy rumhantiere: Ich bin wirklich nicht die Einzige.

Natürlich ist mein Plan nicht aufgegangen, denn wir durften keine Sachen mit in den Saal nehmen. Es war aber gar nicht so schlimm wie ich dachte. Wir waren in einem Extraraum, die ganze Schule passt nun mal nicht in die Aula. In diesem Raum gab es also eine Art „Live-Übertragung“ von der Vorlesung des Professors, die eher der am schlechtesten aufgebauten Powerpoint - Präsentation der Welt ähnelte. Anscheinend war die Lesung ganz witzig, denn die Schüler um mich herum haben oft gelacht, ich für meinen Teil habe auch gelacht, aber eben an vollkommen anderen Stellen, zum Beispiel wenn der Professor sich mal wieder verklickt hatte und die Präsentation vollkommen aus den Ruder lief. Leider war ich dann anscheinend auch die einzige die das urkomisch fand, denn ich war auch die einzige die an solchen Stellen lachte. Dass dann immer alle in meine Richtung gestarrt haben, hat mich nicht so gestört, denn das tun sie sowieso immer. Ist ja auch kein Wunder wenn aus hunderten von Köpfen ein einziger blond und lockig ist. Trotzdem nervt das und ich fühle mich auch manchmal unwohl, denn der Blick der Chinesen ist meistens kein verhaltenes Luschern sondern ein ungeniertes Starren. Ich überlege jetzt schon, mir die Haare braun zu färben und zu glätten, denn ich werde unglaublich aggressiv wenn ich die Huaihai-Road, eine große Einkaufsstraße, entlanggehe und mir alle 20 Meter ein Schild mit irgendwelchen Taschen, Schuhen etc. drauf, unter die Nase gehalten und „Miss, Miss, do you want a watch, a bag, DVDs? Gucci, Prada, no Fake!“ gesagt wird. Besonders schlimm ist dass ein einfaches „Nein“ nicht ausreicht, die rennen noch lange hinter dir her. Ungefähr so lange, bis mir die nächsten „nicht gefakten“ Designertaschen für 10 Euro angeboten werden. Als ich mit Danni die Straße langgegangen bin, hat sie mich am Anfang ganz verwundert gefragt, warum ich die Verkäufer denn gleich so anschreie, bis sie selbst an dem Punkt angelangt war an dem sie total genervt war. Sie sagte, sie geht nie wieder mit mir diese Straße lang. Verständlich, ich würde es auch nicht machen.

Morgen fängt die Schule dann jedenfalls erst richtig an, dann habe ich jeden Tag von 7:45Uhr bis 15:25Uhr Schule. Am Montag muss ich schon um 7:10 da sein, wegen Flagge hissen und Morgengymnastik. Von 11:50Uhr bis 13:00Uhr hab ich aber Mittagspause.

Am Freitag hab ich auch schon meinen Stundenplan und meine Bücher bekommen. Abgesehen davon, dass ich weder imstande sein werde die Bücher zu lesen, noch dem Unterricht zu folgen, hab ich doch ziemlich viel an Büchern zu schleppen. Ich besitze sogar ein Sport-Buch. Meine Schulfächer sind ähnlich wie die in Deutschland: Mathe, Computer, Englisch, Geschichte, Chemie, Physik, Politik, Kunst, Sport, Chinesisch und Psychologie. Aber ich habe auch Fächer wie „Foreign Languages“, „Activity“ und „Reading“. Bitte fragt mich nicht was wir da machen, ich habe keine Ahnung. Ich werde es euch wissen lassen.

Ich muss jetzt auch langsam schlafen gehen, denn sonst werde ich es morgen in der Schule nachholen und das wollen wir ja nicht.

Gute Nacht!

Mittwoch, 29. August 2007

Erste Tage in Shanghai

Okay, Entwarnung! Mein Koffer ist also doch noch bei mir angekommen, mit dem nächsten Flieger von Frankfurt (auf Chinesisch: Falankefu) nach Beijing eingeflogen und dann direkt vor meiner Tür abgeliefert worden. Das war der Zeitpunkt an dem meine Pechsträhne endlich vorbei war, denn am Tag meiner Ankunft ist noch so einiges passiert. Der Tiefpunkt war wahrscheinlich der, als ich eine halbe Stunde auf der Toilette hockte, weil die verdammte Klotür nicht aufging, während der Handwerker völlig unfähig an der Tür herumwerkelte und die anderen Austauschschüler sich das Lachen nicht verkneifen konnten. Ihr kennt mich ja, so was passiert mir immer. Manche Dinge werden sich wohl nie ändern.

Aber nachdem ich meinen Koffer hatte ging es dann nur noch bergauf, im wahrsten Sinne des Wortes, denn am nächsten Tag hab ich es geschafft die chinesische Mauer ganz hoch und wieder runter zu laufen. Ich hoffe ihr seit stolz auf mich, denn ihr wisst ja wie unsportlich ich bin. Besonders in Erinnerung bleibt mir wohl wie ich schnaufend, keuchend und vom Regen durchnässt halb auf den Stufen lag als Chinesen kamen und begeistert mit ihren Foto-Handys drauflos knipsten. Ich will nicht wissen, auf wie vielen fremden Handys oder Fotoapparaten ich mittlerweile zu finden bin…

Am Nachmittag um 5 Uhr, ging es dann jedenfalls endlich los nach Shanghai. Zusammen mit 4 anderen Austauschschülern, die auch mit AFS hier ein Jahr verbringen, wurden wir dann von unserer Betreuerin abgeholt und wir sind 12 Stunden mit dem Zug gefahren. Die Fahrt war gar nicht schlimm, denn es war ein Schlafzug und ich hab von ca. 10 Uhr abends bis 7 Uhr morgens durchgeschlafen.

Endlich angekommen gab es dann allerdings noch eine „Orientation“ (manchmal frage ich mich echt, wie oft ich mich nach AFS Meinung noch orientieren soll, aber na ja…), wo uns erklärt wurde wie wir am besten mit dem Taxi fahren oder die Straße überqueren können. Dazu haben wir, keine Ahnung wie, 6 Stunden gebraucht, bis wir dann endlich von unseren Gastfamilien abgeholt wurden.

Wir wohnen in einem 10-stöckigen Hochhaus im 8ten Stock. Die Wohnung hat 4 Zimmer: Ein Wohnzimmer, das Schlafzimmer der Eltern, Danni’s Zimmer (meine Gastschwester) und ein Arbeitszimmer, das jetzt mein Zimmer ist. Natürlich auch eine Küche und 2 Badezimmer. Die Möbel sind wunderschön, alt, aus dunklem Holz und mit Stuck. Wenn man das bei Möbeln so bezeichnen kann… Gelegen ist unser Haus auch sehr schön, eigentlich mitten in der Innenstadt und nicht weit entfernt von den besten Einkaufsstraßen.

Nachdem ich also angekommen war, hab ich erstmal ausgepackt und dann gab es Essen. Reis, Entenhals, Spare Rips, ich kann mich nicht mehr genau dran erinnern. Aber mein Magen hatte sich schon langsam an chinesisches Essen gewöhnt, nach den 3 Tagen in der Kantine von Beijing. An die Klimaanlagen jedenfalls muss ich mich noch gewöhnen, es ist ein sehr komisches Gefühl von der schwülen Hitze in die Kälte einer Wohnung oder eines Cafes zu treten. Wieder völlig unchinesisch hab ich mich also verhalten, als ich abends mit meiner Gastfamilie auf dem Sofa saß und mir einen Pulli überzog. Die haben mich angeguckt als hätte ich nicht mehr alle Tassen im Schrank. Na ja, wenigstens sie hatten ihren Spaß. Auf der anderen Seite bin ich unglaublich froh, dass es diese Dinger gibt denn vorm Schlafengehen hab ich die Klimaanlage aus versehen ausgeschaltet und als ich wieder aufwachte hab ich gemerkt was ich davon hatte…

Am nächsten Morgen bin ich mit Danni noch zur Schule gegangen, obwohl ich, ehrlich gesagt, keine Ahnung hab warum, irgendwie um mich vorzustellen oder so. Wir sind aber nicht lange geblieben und danach hat mir Danni zusammen mit einem Freund Marc die Stadt gezeigt. Die Chinesen stellen sich meistens mit ihren englischen Namen vor, weil sie schon davon ausgehen, dass wir uns die chinesischen nicht merken können. Eine Betreuerin von mir nennt sich sogar Fairy.

Genauso wurde mir in meiner neuen Schule mitgeteilt, dass ich mir auch einen chinesischen Namen ausdenken soll, aber das stellt sich als äußert schwierig heraus. Namen hier sind anders aufgebaut als in Deutschland, zuerst wird der Nachname genannt und dann der Rufname. So heißt meine Gastschwester z.B. Wang Danni. Und der Rufname hat immer eine Bedeutung, Danni bedeutet soviel wie „Rotes Mädchen“. Den Nachnamen hab ich schon, Wang, aber ich pack es einfach nicht, mir einen Vornamen auszudenken. Man muss es nämlich irgendwie schaffen, dass sich das Wort gut anhört und eine schöne Bedeutung hat. Also, darf ich mich vorstellen? Ich heiße Wang Mungting, Wang Meimei, oder was auch immer. Ich halte euch auf dem Laufenden, was meine Namensfindung anbetrifft.

Auf jeden Fall haben mir Danni und Marc die Altstadt gezeigt und die Skyline von Pudong.

Am nächsten Tag hatte dann aber niemand Zeit für mich, also hab ich mich in ein Taxi gesetzt und bin zur Huaihai Road gefahren, die beste Shopping Straße. Für die Fahrt habe ich 1,90 Euro bezahlt, denn Taxi fahren ist hier unglaublich billig. Die ersten 3 Kilometer kosten hier 11 Yuan (1,10 Euro) und jeder weitere Kilometer 2 Yuan (20 Cent). So kommt es vor, dass man hier mit dem Taxi billiger dabei ist, als in Deutschland mit dem Bus. Wobei hier eine Busfahrt 20 Cent kostet. In der Huaihai Road hab ich mich also umgeguckt und hab dann einen Spaziergang durch die Gegend gemacht, denn wenn ich mich verirre, ist das kein Problem ich reiße einfach den Arm hoch und setze mich in ein Taxi. Jedenfalls solange ich mich hier noch nicht auskenne.

Heute muss ich wieder kurz zur Schule keine Ahnung wieso, trotzdem verabschiede ich mich.

Ich vermiss euch,
Marie

Montag, 27. August 2007

Ankunft in China

Ni Hao,

der erste Tag hier in China hat mehrere Schocks für mich bereitgehalten. Der Flug verlief eigentlich relativ entspannt, insgesamt sind wir nur ca. 8 Stunden geflogen also war er gut auszuhalten. Die Ankunft jedoch war dann eher unerfreulich, als ich bis zum Ende am Gepäckband stand und als letzte auf meinen Koffer wartete, obwohl das Laufband schon längst leer war. Mein Koffer war nicht auffindbar. Als ich dann eine Vermisstenanzeige für meinen Koffer aufgab, fand ich heraus, dass ich offiziell gar nicht in dem Flugzeug saß, mit dem wir von Frankfurt nach Beijing geflogen sind. Das kommt daher, dass uns vor dem Abflug gesagt wurde, wir müssten uns nicht an die Platzangaben halten und es wäre kein Problem zu tauschen. Also habe ich mich einfach auf einen freien Platz gesetzt, nicht wissend, dass Arno, ein anderer Austauschschüler, zur Stewardess lief und mich als vermisst gemeldet hat. Natürlich total unnötig, denn wäre er nur einmal durchs Flugzeug gelaufen hätte er ja eigentlich bemerken müssen, dass auch ich, wie alle anderen, im Flugzeug saß. Auf jeden Fall hat die Stewardess ihres Amtes gewaltet und hat kurzerhand meinen Koffer ausladen lassen, während ich mich noch wunderte, warum das Flugzeug denn nicht endlich los flog. Ich hoffe jetzt, dass mein Koffer auffindbar ist und ich ihn, wenn möglich, noch in Beijing zurückerhalte. Bis dahin muss ich mich wohl oder übel mit meinem Handgepäck durchschlagen, in dem ich Zeugs für ungefähr 3 Tage habe. Aber wenn mein Koffer weg ist, dann bin ich ziemlich am Arsch, denn neben meinen Klamotten, sind auch Dinge wie Gastgeschenke und Kontaktlinsen für ein Jahr in meinem Koffer. Wünscht mir Glück!

Nach einigen Turbulenzen stieg ich dann am Beijinger Flughafen, neben vielen Austauschschülern mit Koffern, ohne in den Bus, der uns zu einer Art Universität brachte in der wir für 3 Tage übernachten werden. Die Zimmer sind total niedlich, wie haben Zweierzimmer, die eher an Hotelzimmer als an Jugendherberge erinnern, mit eigenem Fernseher und sogar einer eigenen Dusche. Was will man mehr? Ich kann immer noch nicht glauben dass ich jetzt in eben diesem Zimmer hocke und chinesische Werbung anschaue von der ich, natürlich, kein Wort verstehe.

Jedenfalls fallen einem die verpestete Luft und das schwierige Klima sofort auf, nach einem Schritt, den man aus dem Flughafen setzt. Selbst wenn man richtig tief einatmet hat man nicht das Gefühl richtig Luft zu bekommen, aber ich denke man gewöhnt sich daran, manchmal bemerke ich es jetzt schon nicht mehr. Um ca. 12 Uhr wurde es dann richtig heiß. Während ich vor kurzem damit geprahlt habe, dass ich in den Sommer fliege, halte ich jetzt lieber meine Klappe, denn es sind zwar 35 Grad draußen, aber mein Gott, was für welche. Es ist nicht diese trockene Hitze, die ich beispielsweise aus Kreta kenne, sondern eine feuchte und sehr schwer Aushaltbare. Man fühlt sich wie in einer Dampfsauna ohne Ausgang, der einzige Ausweg scheinen die wenigen Schattenplätze zu sein, doch die sind meistens schon besetzt. Manchmal macht einen schon eine einzige Flasche Wasser wunschlos glücklich. Und da Getränke, wie alles andere, äußerst erschwinglich sind, wird an jeder Ecke angehalten und ein Getränk gekauft. Ein Wasser kostet 20 Cent, ein Eistee 30. Es ist unglaublich, es gibt hier sogar 1-Fen-Münzen, die umgerechnet ca. 0,1 Cent wert sind. Für 10 Cent gibt es schon Scheine… Oh man, ich werde shoppen, shoppen, shoppen.

Auf jeden Fall waren wir natürlich alle ziemlich geplättet von dem Flug usw. aber einfach schlafen gehen, ging leider nicht, wir hatten schließlich auch ein Programm einzuhalten. Oh, was würde ich geben für ein bisschen Schlaf?! Kurz nachdem wir ankamen gab es jedenfalls Mittagessen in der Mensa, in der den Chinesen bei unserem Betreten das Essen aus dem Mund fiel. Kein Witz! Nach dem Kraftakt unser Essen überhaupt richtig zu bestellen, saßen wir letztendlich ausgehungert an den Tischen und aßen. Mehr oder weniger, eben so weit, wie es uns unsere Stäbchen erlaubten. Danach war ein Ausflug zu bekannten Gärten, 10 Minuten zu Fuß entfernt, geplant. Ich bin ziemlich sicher, ich wurde noch nie in meinem Leben so sehr angestarrt wie auf diesem Weg. Immer wenn ein Bus vorbeikam und ein Mitfahrer uns sichtete, rief er etwas und alle Köpfe drehten sich in unsere Richtung und starrten. Nicht feindlich, auch nicht freundlich, interessiert würde es wohl am besten treffen. So als würde uns ein Mensch mit grüner Hautfarbe auf der Straße begegnen. Gut, in kleineren Gegenden Chinas und vielleicht auch etwas außerhalb Beijings hätte ich damit gerechnet aber doch nicht mitten in der Hauptstadt eines geradezu gigantischen Landes. Nach einiger Zeit habe ich mir dann angeeignet immer alle anzulächeln und in den meisten Fällen kommt auch ein Lächeln zurück, aber es signalisiert meistens etwas wie die Verwunderung und die Ehre dass doch tatsächlich sie angelächelt wurden. Ich muss mir aber auf Dauer etwas anderes ausdenken, denn von diesem Dauerlächeln, krieg ich noch eine Kiefernstarre…

Nach einiger Zeit in den Gärten war es mir dann echt zuviel, meine Füße taten weh, ich war todmüde und es war mir schlicht und ergreifend zu heiß! Wie hab ich die vielen Chinesen beneidet die mit Regenschirmen herumliefen um sich vor der Sonne zu schützen. Jeder zweite rennt damit herum.

Auf dem Weg zum Ausgang, setzte ich mich jedenfalls noch mit Golo und Moritz auf eine Bank um einmal Luft zu holen, da kamen schon vier Chinesen auf uns zu gerannt und hielten uns eine Kamera hin. Wir dachten natürlich, dass wir sie fotografieren sollen, was denn sonst, aber das war offensichtlich nicht ihr Plan. Das bemerkten wir, als wir uns alle um sie herumstellen sollten um für ein Foto zu posieren. Es blieb nicht bei einem, sondern sie machten immer mehr Fotos und dann kamen noch 2 Mütter mit Tochter und Sohn dazu, die auch unbedingt ein Foto mit uns und ihren Kindern machen wollten. Die Tochter hatte aber irgendwie Angst vor mir und weigerte sich hinter dem Rücken ihrer Mutter hervorzukommen, dazu wurde sie aber kurzerhand gezwungen und so entstanden noch einmal Fotos von uns, den Ausländern. Das kann man wohl wirklich nicht anders beschreiben, als meinen ersten Kulturschock hier. Als mich dann ein chinesisches Mädchen in meinem Alter anrempelte und ich ihr sagte, dass sei kein Problem, fragte sie uns woher wir kommen, was wir hier machen etc., um daraufhin glücklich zu ihrer Mutter zu rennen und ihr stolz zu erzählen, dass sie sich gerade mit Deutschen unterhalten hat.

Naja, ich muss aufhören, hier ist es vielleicht gerade mal 16:00 aber ich bin seit mindestens 26 Stunden auf den Beinen und ich muss mich noch mal ausruhen, bevor das Programm weitergeht…

Liebe, Liebe, Liebe,

Marie

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