Aber nachdem ich meinen Koffer hatte ging es dann nur noch bergauf, im wahrsten Sinne des Wortes, denn am nächsten Tag hab ich es geschafft die chinesische Mauer ganz hoch und wieder runter zu laufen. Ich hoffe ihr seit stolz auf mich, denn ihr wisst ja wie unsportlich ich bin. Besonders in Erinnerung bleibt mir wohl wie ich schnaufend, keuchend und vom Regen durchnässt halb auf den Stufen lag als Chinesen kamen und begeistert mit ihren Foto-Handys drauflos knipsten. Ich will nicht wissen, auf wie vielen fremden Handys oder Fotoapparaten ich mittlerweile zu finden bin…
Am Nachmittag um 5 Uhr, ging es dann jedenfalls endlich los nach Shanghai. Zusammen mit 4 anderen Austauschschülern, die auch mit AFS hier ein Jahr verbringen, wurden wir dann von unserer Betreuerin abgeholt und wir sind 12 Stunden mit dem Zug gefahren. Die Fahrt war gar nicht schlimm, denn es war ein Schlafzug und ich hab von ca. 10 Uhr abends bis 7 Uhr morgens durchgeschlafen.
Endlich angekommen gab es dann allerdings noch eine „Orientation“ (manchmal frage ich mich echt, wie oft ich mich nach AFS Meinung noch orientieren soll, aber na ja…), wo uns erklärt wurde wie wir am besten mit dem Taxi fahren oder die Straße überqueren können. Dazu haben wir, keine Ahnung wie, 6 Stunden gebraucht, bis wir dann endlich von unseren Gastfamilien abgeholt wurden.
Wir wohnen in einem 10-stöckigen Hochhaus im 8ten Stock. Die Wohnung hat 4 Zimmer: Ein Wohnzimmer, das Schlafzimmer der Eltern, Danni’s Zimmer (meine Gastschwester) und ein Arbeitszimmer, das jetzt mein Zimmer ist. Natürlich auch eine Küche und 2 Badezimmer. Die Möbel sind wunderschön, alt, aus dunklem Holz und mit Stuck. Wenn man das bei Möbeln so bezeichnen kann… Gelegen ist unser Haus auch sehr schön, eigentlich mitten in der Innenstadt und nicht weit entfernt von den besten Einkaufsstraßen.
Nachdem ich also angekommen war, hab ich erstmal ausgepackt und dann gab es Essen. Reis, Entenhals, Spare Rips, ich kann mich nicht mehr genau dran erinnern. Aber mein Magen hatte sich schon langsam an chinesisches Essen gewöhnt, nach den 3 Tagen in der Kantine von Beijing. An die Klimaanlagen jedenfalls muss ich mich noch gewöhnen, es ist ein sehr komisches Gefühl von der schwülen Hitze in die Kälte einer Wohnung oder eines Cafes zu treten. Wieder völlig unchinesisch hab ich mich also verhalten, als ich abends mit meiner Gastfamilie auf dem Sofa saß und mir einen Pulli überzog. Die haben mich angeguckt als hätte ich nicht mehr alle Tassen im Schrank. Na ja, wenigstens sie hatten ihren Spaß. Auf der anderen Seite bin ich unglaublich froh, dass es diese Dinger gibt denn vorm Schlafengehen hab ich die Klimaanlage aus versehen ausgeschaltet und als ich wieder aufwachte hab ich gemerkt was ich davon hatte…
Am nächsten Morgen bin ich mit Danni noch zur Schule gegangen, obwohl ich, ehrlich gesagt, keine Ahnung hab warum, irgendwie um mich vorzustellen oder so. Wir sind aber nicht lange geblieben und danach hat mir Danni zusammen mit einem Freund Marc die Stadt gezeigt. Die Chinesen stellen sich meistens mit ihren englischen Namen vor, weil sie schon davon ausgehen, dass wir uns die chinesischen nicht merken können. Eine Betreuerin von mir nennt sich sogar Fairy.
Genauso wurde mir in meiner neuen Schule mitgeteilt, dass ich mir auch einen chinesischen Namen ausdenken soll, aber das stellt sich als äußert schwierig heraus. Namen hier sind anders aufgebaut als in Deutschland, zuerst wird der Nachname genannt und dann der Rufname. So heißt meine Gastschwester z.B. Wang Danni. Und der Rufname hat immer eine Bedeutung, Danni bedeutet soviel wie „Rotes Mädchen“. Den Nachnamen hab ich schon, Wang, aber ich pack es einfach nicht, mir einen Vornamen auszudenken. Man muss es nämlich irgendwie schaffen, dass sich das Wort gut anhört und eine schöne Bedeutung hat. Also, darf ich mich vorstellen? Ich heiße Wang Mungting, Wang Meimei, oder was auch immer. Ich halte euch auf dem Laufenden, was meine Namensfindung anbetrifft.
Auf jeden Fall haben mir Danni und Marc die Altstadt gezeigt und die Skyline von Pudong.
Am nächsten Tag hatte dann aber niemand Zeit für mich, also hab ich mich in ein Taxi gesetzt und bin zur Huaihai Road gefahren, die beste Shopping Straße. Für die Fahrt habe ich 1,90 Euro bezahlt, denn Taxi fahren ist hier unglaublich billig. Die ersten 3 Kilometer kosten hier 11 Yuan (1,10 Euro) und jeder weitere Kilometer 2 Yuan (20 Cent). So kommt es vor, dass man hier mit dem Taxi billiger dabei ist, als in Deutschland mit dem Bus. Wobei hier eine Busfahrt 20 Cent kostet. In der Huaihai Road hab ich mich also umgeguckt und hab dann einen Spaziergang durch die Gegend gemacht, denn wenn ich mich verirre, ist das kein Problem ich reiße einfach den Arm hoch und setze mich in ein Taxi. Jedenfalls solange ich mich hier noch nicht auskenne.
Heute muss ich wieder kurz zur Schule keine Ahnung wieso, trotzdem verabschiede ich mich.
Ich vermiss euch,
Marie







