Übersetzungen - Wirklich bereit für die Olympia?

YunNan Fotos

Mittwoch, 29. August 2007

Erste Tage in Shanghai

Okay, Entwarnung! Mein Koffer ist also doch noch bei mir angekommen, mit dem nächsten Flieger von Frankfurt (auf Chinesisch: Falankefu) nach Beijing eingeflogen und dann direkt vor meiner Tür abgeliefert worden. Das war der Zeitpunkt an dem meine Pechsträhne endlich vorbei war, denn am Tag meiner Ankunft ist noch so einiges passiert. Der Tiefpunkt war wahrscheinlich der, als ich eine halbe Stunde auf der Toilette hockte, weil die verdammte Klotür nicht aufging, während der Handwerker völlig unfähig an der Tür herumwerkelte und die anderen Austauschschüler sich das Lachen nicht verkneifen konnten. Ihr kennt mich ja, so was passiert mir immer. Manche Dinge werden sich wohl nie ändern.

Aber nachdem ich meinen Koffer hatte ging es dann nur noch bergauf, im wahrsten Sinne des Wortes, denn am nächsten Tag hab ich es geschafft die chinesische Mauer ganz hoch und wieder runter zu laufen. Ich hoffe ihr seit stolz auf mich, denn ihr wisst ja wie unsportlich ich bin. Besonders in Erinnerung bleibt mir wohl wie ich schnaufend, keuchend und vom Regen durchnässt halb auf den Stufen lag als Chinesen kamen und begeistert mit ihren Foto-Handys drauflos knipsten. Ich will nicht wissen, auf wie vielen fremden Handys oder Fotoapparaten ich mittlerweile zu finden bin…

Am Nachmittag um 5 Uhr, ging es dann jedenfalls endlich los nach Shanghai. Zusammen mit 4 anderen Austauschschülern, die auch mit AFS hier ein Jahr verbringen, wurden wir dann von unserer Betreuerin abgeholt und wir sind 12 Stunden mit dem Zug gefahren. Die Fahrt war gar nicht schlimm, denn es war ein Schlafzug und ich hab von ca. 10 Uhr abends bis 7 Uhr morgens durchgeschlafen.

Endlich angekommen gab es dann allerdings noch eine „Orientation“ (manchmal frage ich mich echt, wie oft ich mich nach AFS Meinung noch orientieren soll, aber na ja…), wo uns erklärt wurde wie wir am besten mit dem Taxi fahren oder die Straße überqueren können. Dazu haben wir, keine Ahnung wie, 6 Stunden gebraucht, bis wir dann endlich von unseren Gastfamilien abgeholt wurden.

Wir wohnen in einem 10-stöckigen Hochhaus im 8ten Stock. Die Wohnung hat 4 Zimmer: Ein Wohnzimmer, das Schlafzimmer der Eltern, Danni’s Zimmer (meine Gastschwester) und ein Arbeitszimmer, das jetzt mein Zimmer ist. Natürlich auch eine Küche und 2 Badezimmer. Die Möbel sind wunderschön, alt, aus dunklem Holz und mit Stuck. Wenn man das bei Möbeln so bezeichnen kann… Gelegen ist unser Haus auch sehr schön, eigentlich mitten in der Innenstadt und nicht weit entfernt von den besten Einkaufsstraßen.

Nachdem ich also angekommen war, hab ich erstmal ausgepackt und dann gab es Essen. Reis, Entenhals, Spare Rips, ich kann mich nicht mehr genau dran erinnern. Aber mein Magen hatte sich schon langsam an chinesisches Essen gewöhnt, nach den 3 Tagen in der Kantine von Beijing. An die Klimaanlagen jedenfalls muss ich mich noch gewöhnen, es ist ein sehr komisches Gefühl von der schwülen Hitze in die Kälte einer Wohnung oder eines Cafes zu treten. Wieder völlig unchinesisch hab ich mich also verhalten, als ich abends mit meiner Gastfamilie auf dem Sofa saß und mir einen Pulli überzog. Die haben mich angeguckt als hätte ich nicht mehr alle Tassen im Schrank. Na ja, wenigstens sie hatten ihren Spaß. Auf der anderen Seite bin ich unglaublich froh, dass es diese Dinger gibt denn vorm Schlafengehen hab ich die Klimaanlage aus versehen ausgeschaltet und als ich wieder aufwachte hab ich gemerkt was ich davon hatte…

Am nächsten Morgen bin ich mit Danni noch zur Schule gegangen, obwohl ich, ehrlich gesagt, keine Ahnung hab warum, irgendwie um mich vorzustellen oder so. Wir sind aber nicht lange geblieben und danach hat mir Danni zusammen mit einem Freund Marc die Stadt gezeigt. Die Chinesen stellen sich meistens mit ihren englischen Namen vor, weil sie schon davon ausgehen, dass wir uns die chinesischen nicht merken können. Eine Betreuerin von mir nennt sich sogar Fairy.

Genauso wurde mir in meiner neuen Schule mitgeteilt, dass ich mir auch einen chinesischen Namen ausdenken soll, aber das stellt sich als äußert schwierig heraus. Namen hier sind anders aufgebaut als in Deutschland, zuerst wird der Nachname genannt und dann der Rufname. So heißt meine Gastschwester z.B. Wang Danni. Und der Rufname hat immer eine Bedeutung, Danni bedeutet soviel wie „Rotes Mädchen“. Den Nachnamen hab ich schon, Wang, aber ich pack es einfach nicht, mir einen Vornamen auszudenken. Man muss es nämlich irgendwie schaffen, dass sich das Wort gut anhört und eine schöne Bedeutung hat. Also, darf ich mich vorstellen? Ich heiße Wang Mungting, Wang Meimei, oder was auch immer. Ich halte euch auf dem Laufenden, was meine Namensfindung anbetrifft.

Auf jeden Fall haben mir Danni und Marc die Altstadt gezeigt und die Skyline von Pudong.

Am nächsten Tag hatte dann aber niemand Zeit für mich, also hab ich mich in ein Taxi gesetzt und bin zur Huaihai Road gefahren, die beste Shopping Straße. Für die Fahrt habe ich 1,90 Euro bezahlt, denn Taxi fahren ist hier unglaublich billig. Die ersten 3 Kilometer kosten hier 11 Yuan (1,10 Euro) und jeder weitere Kilometer 2 Yuan (20 Cent). So kommt es vor, dass man hier mit dem Taxi billiger dabei ist, als in Deutschland mit dem Bus. Wobei hier eine Busfahrt 20 Cent kostet. In der Huaihai Road hab ich mich also umgeguckt und hab dann einen Spaziergang durch die Gegend gemacht, denn wenn ich mich verirre, ist das kein Problem ich reiße einfach den Arm hoch und setze mich in ein Taxi. Jedenfalls solange ich mich hier noch nicht auskenne.

Heute muss ich wieder kurz zur Schule keine Ahnung wieso, trotzdem verabschiede ich mich.

Ich vermiss euch,
Marie

Montag, 27. August 2007

Ankunft in China

Ni Hao,

der erste Tag hier in China hat mehrere Schocks für mich bereitgehalten. Der Flug verlief eigentlich relativ entspannt, insgesamt sind wir nur ca. 8 Stunden geflogen also war er gut auszuhalten. Die Ankunft jedoch war dann eher unerfreulich, als ich bis zum Ende am Gepäckband stand und als letzte auf meinen Koffer wartete, obwohl das Laufband schon längst leer war. Mein Koffer war nicht auffindbar. Als ich dann eine Vermisstenanzeige für meinen Koffer aufgab, fand ich heraus, dass ich offiziell gar nicht in dem Flugzeug saß, mit dem wir von Frankfurt nach Beijing geflogen sind. Das kommt daher, dass uns vor dem Abflug gesagt wurde, wir müssten uns nicht an die Platzangaben halten und es wäre kein Problem zu tauschen. Also habe ich mich einfach auf einen freien Platz gesetzt, nicht wissend, dass Arno, ein anderer Austauschschüler, zur Stewardess lief und mich als vermisst gemeldet hat. Natürlich total unnötig, denn wäre er nur einmal durchs Flugzeug gelaufen hätte er ja eigentlich bemerken müssen, dass auch ich, wie alle anderen, im Flugzeug saß. Auf jeden Fall hat die Stewardess ihres Amtes gewaltet und hat kurzerhand meinen Koffer ausladen lassen, während ich mich noch wunderte, warum das Flugzeug denn nicht endlich los flog. Ich hoffe jetzt, dass mein Koffer auffindbar ist und ich ihn, wenn möglich, noch in Beijing zurückerhalte. Bis dahin muss ich mich wohl oder übel mit meinem Handgepäck durchschlagen, in dem ich Zeugs für ungefähr 3 Tage habe. Aber wenn mein Koffer weg ist, dann bin ich ziemlich am Arsch, denn neben meinen Klamotten, sind auch Dinge wie Gastgeschenke und Kontaktlinsen für ein Jahr in meinem Koffer. Wünscht mir Glück!

Nach einigen Turbulenzen stieg ich dann am Beijinger Flughafen, neben vielen Austauschschülern mit Koffern, ohne in den Bus, der uns zu einer Art Universität brachte in der wir für 3 Tage übernachten werden. Die Zimmer sind total niedlich, wie haben Zweierzimmer, die eher an Hotelzimmer als an Jugendherberge erinnern, mit eigenem Fernseher und sogar einer eigenen Dusche. Was will man mehr? Ich kann immer noch nicht glauben dass ich jetzt in eben diesem Zimmer hocke und chinesische Werbung anschaue von der ich, natürlich, kein Wort verstehe.

Jedenfalls fallen einem die verpestete Luft und das schwierige Klima sofort auf, nach einem Schritt, den man aus dem Flughafen setzt. Selbst wenn man richtig tief einatmet hat man nicht das Gefühl richtig Luft zu bekommen, aber ich denke man gewöhnt sich daran, manchmal bemerke ich es jetzt schon nicht mehr. Um ca. 12 Uhr wurde es dann richtig heiß. Während ich vor kurzem damit geprahlt habe, dass ich in den Sommer fliege, halte ich jetzt lieber meine Klappe, denn es sind zwar 35 Grad draußen, aber mein Gott, was für welche. Es ist nicht diese trockene Hitze, die ich beispielsweise aus Kreta kenne, sondern eine feuchte und sehr schwer Aushaltbare. Man fühlt sich wie in einer Dampfsauna ohne Ausgang, der einzige Ausweg scheinen die wenigen Schattenplätze zu sein, doch die sind meistens schon besetzt. Manchmal macht einen schon eine einzige Flasche Wasser wunschlos glücklich. Und da Getränke, wie alles andere, äußerst erschwinglich sind, wird an jeder Ecke angehalten und ein Getränk gekauft. Ein Wasser kostet 20 Cent, ein Eistee 30. Es ist unglaublich, es gibt hier sogar 1-Fen-Münzen, die umgerechnet ca. 0,1 Cent wert sind. Für 10 Cent gibt es schon Scheine… Oh man, ich werde shoppen, shoppen, shoppen.

Auf jeden Fall waren wir natürlich alle ziemlich geplättet von dem Flug usw. aber einfach schlafen gehen, ging leider nicht, wir hatten schließlich auch ein Programm einzuhalten. Oh, was würde ich geben für ein bisschen Schlaf?! Kurz nachdem wir ankamen gab es jedenfalls Mittagessen in der Mensa, in der den Chinesen bei unserem Betreten das Essen aus dem Mund fiel. Kein Witz! Nach dem Kraftakt unser Essen überhaupt richtig zu bestellen, saßen wir letztendlich ausgehungert an den Tischen und aßen. Mehr oder weniger, eben so weit, wie es uns unsere Stäbchen erlaubten. Danach war ein Ausflug zu bekannten Gärten, 10 Minuten zu Fuß entfernt, geplant. Ich bin ziemlich sicher, ich wurde noch nie in meinem Leben so sehr angestarrt wie auf diesem Weg. Immer wenn ein Bus vorbeikam und ein Mitfahrer uns sichtete, rief er etwas und alle Köpfe drehten sich in unsere Richtung und starrten. Nicht feindlich, auch nicht freundlich, interessiert würde es wohl am besten treffen. So als würde uns ein Mensch mit grüner Hautfarbe auf der Straße begegnen. Gut, in kleineren Gegenden Chinas und vielleicht auch etwas außerhalb Beijings hätte ich damit gerechnet aber doch nicht mitten in der Hauptstadt eines geradezu gigantischen Landes. Nach einiger Zeit habe ich mir dann angeeignet immer alle anzulächeln und in den meisten Fällen kommt auch ein Lächeln zurück, aber es signalisiert meistens etwas wie die Verwunderung und die Ehre dass doch tatsächlich sie angelächelt wurden. Ich muss mir aber auf Dauer etwas anderes ausdenken, denn von diesem Dauerlächeln, krieg ich noch eine Kiefernstarre…

Nach einiger Zeit in den Gärten war es mir dann echt zuviel, meine Füße taten weh, ich war todmüde und es war mir schlicht und ergreifend zu heiß! Wie hab ich die vielen Chinesen beneidet die mit Regenschirmen herumliefen um sich vor der Sonne zu schützen. Jeder zweite rennt damit herum.

Auf dem Weg zum Ausgang, setzte ich mich jedenfalls noch mit Golo und Moritz auf eine Bank um einmal Luft zu holen, da kamen schon vier Chinesen auf uns zu gerannt und hielten uns eine Kamera hin. Wir dachten natürlich, dass wir sie fotografieren sollen, was denn sonst, aber das war offensichtlich nicht ihr Plan. Das bemerkten wir, als wir uns alle um sie herumstellen sollten um für ein Foto zu posieren. Es blieb nicht bei einem, sondern sie machten immer mehr Fotos und dann kamen noch 2 Mütter mit Tochter und Sohn dazu, die auch unbedingt ein Foto mit uns und ihren Kindern machen wollten. Die Tochter hatte aber irgendwie Angst vor mir und weigerte sich hinter dem Rücken ihrer Mutter hervorzukommen, dazu wurde sie aber kurzerhand gezwungen und so entstanden noch einmal Fotos von uns, den Ausländern. Das kann man wohl wirklich nicht anders beschreiben, als meinen ersten Kulturschock hier. Als mich dann ein chinesisches Mädchen in meinem Alter anrempelte und ich ihr sagte, dass sei kein Problem, fragte sie uns woher wir kommen, was wir hier machen etc., um daraufhin glücklich zu ihrer Mutter zu rennen und ihr stolz zu erzählen, dass sie sich gerade mit Deutschen unterhalten hat.

Naja, ich muss aufhören, hier ist es vielleicht gerade mal 16:00 aber ich bin seit mindestens 26 Stunden auf den Beinen und ich muss mich noch mal ausruhen, bevor das Programm weitergeht…

Liebe, Liebe, Liebe,

Marie

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