Ni Hao,
Nach einigen Turbulenzen stieg ich dann am Beijinger Flughafen, neben vielen Austauschschülern mit Koffern, ohne in den Bus, der uns zu einer Art Universität brachte in der wir für 3 Tage übernachten werden. Die Zimmer sind total niedlich, wie haben Zweierzimmer, die eher an Hotelzimmer als an Jugendherberge erinnern, mit eigenem Fernseher und sogar einer eigenen Dusche. Was will man mehr? Ich kann immer noch nicht glauben dass ich jetzt in eben diesem Zimmer hocke und chinesische Werbung anschaue von der ich, natürlich, kein Wort verstehe.
Jedenfalls fallen einem die verpestete Luft und das schwierige Klima sofort auf, nach einem Schritt, den man aus dem Flughafen setzt. Selbst wenn man richtig tief einatmet hat man nicht das Gefühl richtig Luft zu bekommen, aber ich denke man gewöhnt sich daran, manchmal bemerke ich es jetzt schon nicht mehr. Um ca. 12 Uhr wurde es dann richtig heiß. Während ich vor kurzem damit geprahlt habe, dass ich in den Sommer fliege, halte ich jetzt lieber meine Klappe, denn es sind zwar 35 Grad draußen, aber mein Gott, was für welche. Es ist nicht diese trockene Hitze, die ich beispielsweise aus Kreta kenne, sondern eine feuchte und sehr schwer Aushaltbare. Man fühlt sich wie in einer Dampfsauna ohne Ausgang, der einzige Ausweg scheinen die wenigen Schattenplätze zu sein, doch die sind meistens schon besetzt. Manchmal macht einen schon eine einzige Flasche Wasser wunschlos glücklich. Und da Getränke, wie alles andere, äußerst erschwinglich sind, wird an jeder Ecke angehalten und ein Getränk gekauft. Ein Wasser kostet 20 Cent, ein Eistee 30. Es ist unglaublich, es gibt hier sogar 1-Fen-Münzen, die umgerechnet ca. 0,1 Cent wert sind. Für 10 Cent gibt es schon Scheine… Oh man, ich werde shoppen, shoppen, shoppen.
Auf jeden Fall waren wir natürlich alle ziemlich geplättet von dem Flug usw. aber einfach schlafen gehen, ging leider nicht, wir hatten schließlich auch ein Programm einzuhalten. Oh, was würde ich geben für ein bisschen Schlaf?! Kurz nachdem wir ankamen gab es jedenfalls Mittagessen in der Mensa, in der den Chinesen bei unserem Betreten das Essen aus dem Mund fiel. Kein Witz! Nach dem Kraftakt unser Essen überhaupt richtig zu bestellen, saßen wir letztendlich ausgehungert an den Tischen und aßen. Mehr oder weniger, eben so weit, wie es uns unsere Stäbchen erlaubten. Danach war ein Ausflug zu bekannten Gärten, 10 Minuten zu Fuß entfernt, geplant. Ich bin ziemlich sicher, ich wurde noch nie in meinem Leben so sehr angestarrt wie auf diesem Weg. Immer wenn ein Bus vorbeikam und ein Mitfahrer uns sichtete, rief er etwas und alle Köpfe drehten sich in unsere Richtung und starrten. Nicht feindlich, auch nicht freundlich, interessiert würde es wohl am besten treffen. So als würde uns ein Mensch mit grüner Hautfarbe auf der Straße begegnen. Gut, in kleineren Gegenden Chinas und vielleicht auch etwas außerhalb Beijings hätte ich damit gerechnet aber doch nicht mitten in der Hauptstadt eines geradezu gigantischen Landes. Nach einiger Zeit habe ich mir dann angeeignet immer alle anzulächeln und in den meisten Fällen kommt auch ein Lächeln zurück, aber es signalisiert meistens etwas wie die Verwunderung und die Ehre dass doch tatsächlich sie angelächelt wurden. Ich muss mir aber auf Dauer etwas anderes ausdenken, denn von diesem Dauerlächeln, krieg ich noch eine Kiefernstarre…
Nach einiger Zeit in den Gärten war es mir dann echt zuviel, meine Füße taten weh, ich war todmüde und es war mir schlicht und ergreifend zu heiß! Wie hab ich die vielen Chinesen beneidet die mit Regenschirmen herumliefen um sich vor der Sonne zu schützen. Jeder zweite rennt damit herum.
Auf dem Weg zum Ausgang, setzte ich mich jedenfalls noch mit Golo und Moritz auf eine Bank um einmal Luft zu holen, da kamen schon vier Chinesen auf uns zu gerannt und hielten uns eine Kamera hin. Wir dachten natürlich, dass wir sie fotografieren sollen, was denn sonst, aber das war offensichtlich nicht ihr Plan. Das bemerkten wir, als wir uns alle um sie herumstellen sollten um für ein Foto zu posieren. Es blieb nicht bei einem, sondern sie machten immer mehr Fotos und dann kamen noch 2 Mütter mit Tochter und Sohn dazu, die auch unbedingt ein Foto mit uns und ihren Kindern machen wollten. Die Tochter hatte aber irgendwie Angst vor mir und weigerte sich hinter dem Rücken ihrer Mutter hervorzukommen, dazu wurde sie aber kurzerhand gezwungen und so entstanden noch einmal Fotos von uns, den Ausländern. Das kann man wohl wirklich nicht anders beschreiben, als meinen ersten Kulturschock hier. Als mich dann ein chinesisches Mädchen in meinem Alter anrempelte und ich ihr sagte, dass sei kein Problem, fragte sie uns woher wir kommen, was wir hier machen etc., um daraufhin glücklich zu ihrer Mutter zu rennen und ihr stolz zu erzählen, dass sie sich gerade mit Deutschen unterhalten hat.
Naja, ich muss aufhören, hier ist es vielleicht gerade mal 16:00 aber ich bin seit mindestens 26 Stunden auf den Beinen und ich muss mich noch mal ausruhen, bevor das Programm weitergeht…
Liebe, Liebe, Liebe,
Marie








3 Kommentare:
hey meine unglücksfogel!
ich bin schwer beeindruckt von deinem talent texte zu verfassen.hat mich glatt vom hocker gehaun!aber nicht nur der schreibstil sondern auch der inhalt.meine güte das glück steht wohl gerade nicht auf deiner seite.aber das wird schon.bin mir sicher das dein koffer wieder wohl behütet auftauch.an sonsten sag bescheid wir schicken dir antürlich alles nötige!aber so ein bisschen aufregung kann ja nicht schaden, soll ja schließlich nicht langweilig werden da drüben ;P
ich freu mich zu hören dass du es bisher einigermaßen überlebt hast und freu mich unglaublich mehr von dir zu hören.dsa die chinesen so extrem auf auslander reagieren hätte wohl keiner gedacht aber n bisschen mehr aufmerksamkeit kann ja auch nicht umbedingt schaden;)
hier ist alles anders...andere schüler,andere lehrer, andere umgebung...ich will mein altes leben zurück obwohl ich glaube das ich mich mit dem hier auch ganz gut anfreunden kann.
ich vermisse dich unglaublich dolle!halt die ohren steif!
in liebe Nora
p.s. bin wieder single!;)
toll Frau Maus!! der Hannes, der Kraus und ich sind begeistert! Nicht davon dass dein Koffer nicht da ist oder dass du so schrecklich müde bist - nein, von deiner Schreibe! Mehr davon! Wir freuen uns schon! In Liebe dein Vater
na du chinesin...das ist schon das 2te mal das ich diesen text verfasse aber ich hab mein passwort schlauer weise vergessen und kann nun nicht mehr unter meinem account kommentare schreiben.ich weiß garnicht ob du das hier jetzt überhuapt lesen kannst aber ein versuch ist es wert=)
schön zu hören dass du endlich nagekommen bist und dich mehr oder weiniger mit dem alltag anfreunden kannst.hier in hh ist es nass,kalt und ziemlich relaxt.in der schule ist nicht sonderlich viel los und ha's gibts kaum.allerdings ist fast niemand in der laune sich auch nur irgendwie zu bewegen, da es 24 std am tag aus eimern gießt. ich freu mich immer reisig deine neuen berichte zu lesen.macht richtig spaß:D
ich vermisse dich!
viele dicke küsse
Nora
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